Fig. 23. Fig. 24.
Fig. 25. Fig. 26.
Alte Damensättel.

Um zu zeigen, welche Veränderungen der Damensattel im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat, bringe ich in Abbildungen einige alte Modelle (Fig. 21-26) nach Zeichnungen vom Maler M. Veit, welche in ihrer Deutlichkeit einen Vergleich ermöglichen, während Fig. 27 einen modernen Damensattel zeigt. Die größte Veränderung, welcher der Damensattel vor etwa 50 Jahren unterzogen wurde, ist die Anbringung eines an der linken Seite befindlichen, nach unten gedrehten sog. Jagdhorns, welches über dem linken Knie liegt, und dessen Erfindung Baucher zugeschrieben wird. Zuerst nur als Sicherheitsfaktor für Jagdreiten gebraucht, hat es sich nun gänzlich eingebürgert und den Fortfall des früher an der rechten Seite befindlichen, für die Dame unbequemen Hornes veranlaßt, welches mit dem an der linken Seite befindlichen, nach oben gerichteten Horne die »Gabel« bildete, in welcher das rechte Bein der Reiterin ruhte und die einzige Stütze der Reiterin auf dem Sattel bildete. Wie unsicher aber dieser Sitz war, habe ich einst an meiner Frau gesehen, die eine recht gute Reiterin war. Bei einer unvermuteten Lançade des Pferdes stand sie einfach neben demselben. Hier konnte also die Reiterin mit Leichtigkeit aus dem Sattel geschleudert werden. Seitdem das Jagdhorn angebracht ist, kann sich die Reiterin mit den Beinen – richtig eingeschnallter Steigbügel vorausgesetzt – an den beiden linken Hörnern durchaus festklammern. Aus diesem Grunde wurde das rechte Horn der »Gabel« überflüssig und konnte fortfallen, an dem sich die Reiterin bei der Zügelführung mit zwei Händen und auch sonst oft genug stieß.

Infolge dieses durch das Jagdhorn geschaffenen, von vornherein sicheren Reitsitzes, welcher kaum erlernt, nur geübt zu werden braucht, hat also die Dame einen bedeutenden Vorsprung vor dem Herrensitz, zu dessen Erlernung – wenn er allen Anforderungen genügen und für jede Bewegung des Pferdes sicher sein soll – Jahre erforderlich sind.

Bei der Konstruktion des Damensattels ist zuerst die Lage des rechten Beines in Betracht zu ziehen, welches niemals höher, besser sogar etwas tiefer als der Sitz liegen darf, was für die Zügelführung sowohl wie für die gerade Haltung von besonderer Wichtigkeit ist. Ebenso wichtig ist die Anbringung des Jagdhorns sowohl wie die Form desselben. Es darf weder zu lang, noch zu kurz, am wenigsten aber zu geschweift sein und den Schenkel der Dame umfassen. Es würde sie das hauptsächlich im englischen Trabe, bei welchem sie mit dem Gesäß nicht auf dem Sattel bleibt, stark behindern, bei eventueller Trennung vom Pferde aber unter Umständen schwere Verletzungen herbeiführen; auch darf es weder zu tief noch zu weit rückwärts angebracht sein. Ist dann der Bügel so verpaßt, daß beide Kniee möglichst eng aneinander liegen, so ruhen beide Beine flach an der Seite, wodurch einer Verdrehung der Wirbelsäule sowohl wie dem »Hängen« an der linken Seite vorgebeugt wird. Dieser Sattel unterscheidet sich von dem älteren dadurch, daß er einen flachen Sitz hat (vergl. Fig. 27), während jener einen ausgearbeiteten Sitz hatte, in welchem die Dame tief saß, und demnach auch mit der Wirbelsäule eine größere Drehung zu machen hatte. Fig. 28 zeigt ein Pferd im Stalle unter dem flachen Damensattel, den Sitz der Dame auf einem solchen zeigte Fig. 4, während Fig. 3 den Sitz der Dame auf dem älteren Damensattel mit tiefem Sitz veranschaulichte. Man sieht daraus, daß die soviel angegriffene Drehung der Wirbelsäule bei dem flachen Sattel eigentlich ganz fortfällt.

Fig. 27.
Moderner englischer Damensattel.

Ferner sollte das Jagdhorn stets beweglich angebracht sein. Man kann es so für jede Dame am leichtesten verpassen, und die Reiterin kann sich bei längeren Ritten die Lage selbst ändern, wenn ihr etwas unbequem werden sollte. Bei kleinen Damen muß das Knie näher an das obere Horn herankommen als bei einer großen, die das Horn etwas niedriger braucht, weil sie es sonst nicht in der Gewalt hat. Sind bei einer kleinen Reiterin nämlich die Hörner zu weit auseinander, so hat das linke Bein nicht den richtigen Druck einige Zoll oberhalb des Knies, wodurch der Sitz sehr unsicher wird. Bei vielen Damen wird mit Rücksicht auf das elegante Aussehen das verstellbare Horn zu kurz gearbeitet, so daß es keinen Schenkeldruck hergibt. Oft wird die Schraube zu klein und zu fein gemacht. Sie muß aber genügend groß sein, weil sie sich sonst leicht losarbeitet. Ist das obere Horn zu hoch, so fällt das Reitkleid nicht hübsch darüber, ist es zu niedrig, so sitzt die Reiterin nicht fest.

Fast alle Damensättel haben einen zurückgeputzten Baum, über welchen die Sattelklappe fällt, um den Sitz eben zu machen. Die Kammer darf nicht zu hoch sein, um das Herumrutschen des Sattels nicht zu befördern und damit das rechte Knie der Dame nicht zu hoch kommt. Wie schon angeführt, darf dasselbe keinesfalls höher als der Sitz liegen, besser noch etwas tiefer, wenn die Dame bequem und angenehm reiten will. Jedenfalls aber muß die Kammer breit genug sein, um nicht bei dem meist nach links überfallenden Seitgewicht den Widerrist zu drücken.