Über das zu wählende Verhältnis des Oberbaumes zum Unterbaum habe ich noch anzuführen, daß der Oberbaum stets 8 cm lang ist und daß die Kandare in dem Verhältnis von 2 : 3 und 4 : 5 angefertigt wird. Ersteres wird für die größere Anzahl von Pferden ohne besondere Eigentümlichkeiten genügen, letzteres wird bei sehr leicht am Zügel stehenden bezw. bei solchen Pferden, die hinter die Zügel kriechen und dabei den Kopf tief nehmen, seine Anwendung finden müssen. Das zu dieser Kandare besonders konstruierte Hauptgestell (Fig. 19) weicht in einzelnen Teilen etwas von dem gebräuchlichen ab. Es ist gleichzeitig mit einer Halfter in Verbindung gesetzt, in deren Ringen die Trense eingehakt ist. Wenn man die Knöpfe des Stirnriemens löst, so kann man die Kandare vom Kopfe herunternehmen, so daß nur die Halfter oben bleibt. Beim Aufzäumen hat man zu beachten, daß die Unterlegetrense außerhalb des Kinnriemens zu liegen kommt. Das Zeug ist komplett oder in einzelnen Teilen durch den »Offizier-Pferde-Verein«, Charlottenburg, Fasanenstraße 24, oder auch von August Loh Söhne, A.-G. für Militärausrüstungen, Berlin, Wilhelmstraße 22, zu beziehen.
Fig. 20.
Schoenbeck'scher Maulregenerator.
Da ich fand, daß diese Kandare oft die Unterlegetrense ganz entbehrlich machte, so habe ich auch ein Gebiß konstruiert, welches ohne eine solche zu benutzen ist, statt dessen aber à la Pelham Ringe zur Aufnahme der Trensenzügel führt. Auch dieses Gebiß, Maulregenerator genannt, hat sich bewährt und wird bei gut gerittenen Pferden besonders zu Jagd und bei Damenpferden verwendet (Fig. 20). Das Kopfgestell desselben ist das der einfachen Trense, also mit einem Backenstück.
Endlich möchte ich mir noch die Bemerkung gestatten, daß diese Kandare auch nicht Wunder zu wirken vermag. Wenn man sie einem Pferde mit verrissenem, vernarbtem Maule auflegt, welches stets unter schärfster Zäumung gemartert ist, so verlange man nicht, daß dasselbe vom ersten Tage an nun wie umgewandelt gehen soll, obwohl selbst bei solchen Tieren gute Resultate erzielt worden sind. Wenn man aber junge Pferde von vornherein daran gewöhnt, so werden sie ein frisches Maul behalten und überhaupt nicht in Untugenden verfallen, deren Grund in falscher und zu scharfer Zäumung zu suchen und deren Behebung meist so sehr schwer ist. –
3. Der Damensattel.
Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, welche besonders wichtige Rolle der Sattel bei der Damenreiterei spielt. Nur der vorzüglichst konstruierte ist gerade gut genug, wenn Beschädigungen des Rückens der Pferde vermieden werden sollen. Es wird deshalb sich als nützlich erweisen, auf die maßgebenden Gesichtspunkte bei der Wahl des Damensattels etwas näher einzugehen.
| Fig. 21. | Fig. 22. |