1. Eine genügend kräftige Hebelwirkung auf das Maul des Pferdes.
2. Beseitigung jeder unnötigen Belästigung bezw. Schmerzes im und am Maul des Pferdes, wie es bei Anwendung eines scharfen Gebisses in Verbindung mit der Kinnkette und besonders bei Führung durch eine schwere Faust meist der Fall ist. Graf Münster war der erste, welcher den Mut hatte, es auszusprechen, daß Kinnkette und Gebiß in Konkurrenz treten, um den Unterkiefer in einer eisernen Presse zu zermalmen, demnach dem Pferde innerhalb und außerhalb des Maules den wütendsten Schmerz zu bereiten, – und daß hierin hauptsächlich der Grund des Widerstandes des Pferdes gegen das Gebiß, vieler Unarten desselben und so vieler beschädigten Mäuler, gedrückter und gebrochener Laden usw. zu suchen sein dürfte.
An der von mir zur Hebung der oben angeführten Mängel zusammengesetzten Kandare ersetze ich vorerst die Kinnkette durch einen verschnallbaren Lederriemen, welcher durch zwei an der Spitze des Oberbaumes befindliche Stahlösen in annähernd rechtwinkliger Stellung zu der Stange erhalten wird. Hierdurch wird 1. eine reinere Hebelwirkung auf den Unterkiefer erzielt, 2. der Hauptstützpunkt des Hebels von der schwächsten Stelle, der Kinnkettengrube, höher, auf eine kräftigere Knochenlage verlegt, die ihm mehr Halt bietet, 3. die quetschende Wirkung der Kandare aufgehoben, da nur die faktische Hebelwirkung in Kraft tritt, 4. ein Klemmen der Lefzenwinkel, ein Durchscheuern unter dem Riemen, wie solches öfter bei der Kinnkette in der Grube vorkommt, vermindert, 5. ein Steigen der Kinnkette, 6. ein Durchfallen der Kandare unmöglich gemacht, 7. die sogenannte falsche Wirkung der Kinnkette auf die Grube fortgeschafft, 8. endlich kann die Kandare, einmal richtig verpaßt, kaum falsch aufgelegt werden, da weder beim Ab- noch beim Aufzäumen der Kinnriemen gelöst zu werden braucht, weshalb das Aufzäumen so schnell und leicht wie möglich erfolgen kann.
Des ferneren ist der Tragering des Oberbaumes an der Spitze desselben fortgefallen und durch einen beweglichen Ring an den Zapfenflächen des Mundstücks ersetzt. Der Oberbaum dient daher nur als kurzer Arm des Hebels, wodurch die Hebelwirkung in präzisester Weise zum Ausdruck gelangt.
Als Mundstück habe ich das bereits beschriebene Stahlrohrgebiß ohne Zungenfreiheit gewählt, weil bei demselben Zunge und Laden zum Tragen desselben gleichmäßig in Aktion treten.
Der Oberbaum ist, dem leitenden Prinzip entsprechend, etwas länger geworden und etwas auswärts gebogen, um nicht zu drücken.
Die Unterlegetrense, welche außerhalb des Kinnriemens liegen muß, besteht nicht aus zwei, sondern aus drei Teilen, einem Zungenstück und zwei Ballenstücken, welche letztere etwas gewinkelt sind. Eine solche Trense kommt nicht unter das Kandarenmundstück, sie drückt und kneift nicht, ist auch keiner Veränderung ausgesetzt, daher für den Gebrauch neben der Kandare praktischer als die zweiteilige Trense.
Das Verpassen der Kandare hat sich nur auf die Breite des Mundstücks, die Länge der Scheren und das Einschnallen des Kinnriemens zu erstrecken, ist also recht einfach. Die Brauchbarkeit dieser Kandare dürfte bei Pferden, die noch nicht mit der Kinnkette gezäumt waren, hauptsächlich in die Augen springen.
Fig. 19.
Hauptgestell der Schoenbeck-Kandare.