Fig. 17.
Das Kopfzeug des Damenpferdes.

Das an der Kandare befindliche Lederzeug (Hauptgestell, Fig. 17) besteht aus dem Genickstück a, dem Stirnriemen b, den beiden Kandarenbackenstücken c, den beiden Unterlegetrensenbackenstücken d, dem Kehlriemen e, dem Nasenriemen f, dem Kandarenzügel h und dem Trensenzügel l. An diesem Hauptgestell sind befestigt die Kandare g mit der Kinnkette i und die Unterlegetrense k. Die Lage des Mundstücks im Maul ist, es sei das hier noch einmal wiederholt, genau gegenüber der tiefsten Stelle der Kinnkettengrube, bei Hengsten und Wallachen, die einen Hakenzahn besitzen, etwa einen Daumen breit über demselben. Die Kinnkette, richtig eingedreht und so befestigt, daß das Trensenmundstück von derselben mit eingeschlossen wird, soll so lang eingehakt werden, daß man bei paralleler Stellung der Stangen mit der Maulspalte drei Finger bequem zwischen Kette und Unterkiefer hindurchstecken kann. Eine bessere Marke dafür gibt der angezogene Zügel nach der Richtung der Reiterfaust. Danach soll die Kandare mit der Maulspalte einen Winkel von 30-35° (vergl. Fig. 12, a) und zum Zügel einen solchen von 90° (dies. Fig., b) bilden, denn nur so kann die Kandare richtig auf den Unterkiefer einwirken, das Pferd richtige Anlehnung darauf nehmen.

Ist der Oberbau der Kandare höher als die Ladengräte des Pferdes – gewöhnlich beträgt diese Höhe 4½ cm – so steigt die Kinnkette aus der Grube auf die höher gelegenen Knochenpartien und drückt dort. Der Kehlriemen ist locker einzuschnallen, damit er nicht kneift und die Atmung behindert. Der Nasenriemen, falls ein solcher überhaupt geführt wird, soll so angezogen werden, daß man auf der Nase bei geschlossenem Maul bequem drei Finger durchstecken kann.

Für Damen pflegt man das Zaumzeug, meist von hellem naturfarbigen Leder, etwas schmaler zu nehmen, wie das der Herren ist. Es empfiehlt sich das aber nicht, weil breitere Zügel gegen ev. Durchrutschen mehr Sicherheit bieten wie Leder, welches nur 1 oder 1½ cm breit ist. Öfter nimmt man auch statt des Leders einen aus farbiger Wollenschnur angefertigten, sogenannten arabischen Zaum, oder auch einen solchen aus geflochtenem Leder, – jedenfalls bleibt der einfache englische Zaum immer der vornehmste, wenn er folgendermaßen konstruiert ist: Die Farben des Sattels und des Zaumes müssen möglichst übereinstimmen. Es kommt das auf eine gute Pflege beider an. Die silbernen (ja nicht mit Leder überzogenen) Schnallen des Kehlriemens und des Kandarenbackenstücks liegen auf der linken Seite des Kopfes, rechts die des Kandarenbackenstücks und des Trensenbackenstücks. Am vornehmsten sind die Kopfzeuge, bei denen die Kandare nicht eingeschnallt, sondern in das (offene) Auge der Kandare eingehakt wird, während die Trense eingenäht wird. Der Reinigung wegen ist das letztere aber nicht besonders praktisch.

Bei dem sogenannten Parkzaum fehlen die Unterlegetrense und die Trensenzügel.

Schoenbeck-Kandare. Eine von mir konstruierte und bereits ziemlich verbreitete Kandare (Fig. 18), welche für die meisten Pferde paßt, daher ein angenehmes Reiten auch für im Maul sensible Pferde garantiert, oder solche, welche hinter die Zügel kriechen, mit dem Kopf schlagen, mit der Zunge bläken, dieselbe über das Gebiß nehmen usw., möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Konstruktion dieser Kandare basiert auf nachstehenden Erwägungen:

Die von mir beanstandeten Fehler der Kinnkettenzäumung sind folgende: 1. Druck- und Stützpunkt (Gebiß und Kinnkette) liegen sich gegenüber, wodurch eine Eisenpresse schärfster Art hergestellt wird, welche geeignet ist, die Laden zu zerbrechen und zu zerquetschen. 2. Diese Eigenschaft macht sie für die Hände mittelmäßiger Reiter ungeeignet. 3. Die Verpassung derselben bezw. das Suchen nach dem richtigen für Pferd und Hand passenden Gebiß ist zu schwierig. 4. Der Oberbaum wird in seiner reinen Wirkung als kurzer Hebelarm durch das Hauptgestell gehemmt, in welches er eingeschnallt wird, wodurch wiederum die Lage des Mundstückes im Maul eine unruhige wird. 5. Es ist für einen mittelmäßigen Reiter bezw. Reiterin, auch für deren Stalldiener, schwer, die Kinnkette genau so einzuhängen, daß die Kandare weder strotzt noch durchfällt, besonders da diesem so wichtigen Punkt meist wenig Beachtung geschenkt wird. Um die Konstruktionsfehler der Kinnkettenzäumung abzustellen, habe ich die genannte Kandare konstruiert, welche vom Königlichen Militär-Reitinstitut, sowie von einigen dazu bestimmten Kavallerie-Regimentern eine längere Zeit in Probe genommen, lobende Beurteilung erfahren hatte, und durch kriegsm. Verfügung bei der Armee in Gebrauch genommen werden darf.

Fig. 18.
Die Schoenbeck-
Kandare.

Die Grundsätze, welche bei der Konstruktion dieser Kandare in die Erscheinung traten, sind folgende: