Das Maßnehmen für die Kandare geschieht folgendermaßen:
Man hält ein etwa 15 Zoll langes Stäbchen an den Punkten, wo das Mundstück aufliegen muß, über die Zunge, faßt die Enden desselben mit den geschlossenen Fäusten und aufwärts gestreckten Zeigefingern und rückt mit beiden Händen auf demselben bis an die Lefzen des Pferdes, dieselben leicht berührend, vor. Dann nimmt man das Stäbchen aus dem Maul und läßt die so mit den Fingern markierte Maulbreite an demselben durch Einschnitte bezeichnen.
Zur Messung der Ladenhöhe stellt man sich, das Stäbchen mit der linken Faust haltend, an die linke Seite des Pferdes, gibt den Zeigefinger der Kinnkettengrube gegenüber unter die Zunge auf die Laden und bringt den gestreckten rechten Zeigefinger parallel zum linken in die Kinnkettengrube. Ihre Entfernung ergibt genau die Ladenhöhe, welche gleichfalls auf dem Stäbchen zu bezeichnen ist. Nach diesen beiden Maßen werden alle Teile der Kandare bemessen; die Breite des Maules gibt die Weite der Kandare oder Breite des Mundstückes, die Ladenhöhe die Höhe des Oberbaumes.
Endlich ist noch anzuführen, daß die Tiefe der Spaltöffnung des Pferdemaules auch verschieden zu sein pflegt, was mit bezug auf die Lage der Kandare im Pferdemaul zu berücksichtigen ist.
Die Unterlegetrense kann zwar die Lefzenwinkel berühren, soll sie aber nicht in die Höhe ziehen und muß ebenfalls eine der Breite des Mauls angepaßte Länge haben. Die Kandare liegt im allgemeinen einen Daumen breit über dem Hakenzahn, oder besser, da Stuten einen solchen nicht besitzen, der tiefsten Einsenkung der Kinnkettengrube gegenüber. Da nun die Trensenringe dicht über dem Mundstück aus dem Maul heraustreten sollen, hat man dadurch auch einen gewissen Anhalt für höhere oder tiefere Zäumung. Wenn ein Pferd eine kurze Maulspalte besitzt, so wird die Kandare ungefähr 2-2½ cm über den Hakenzahn zu liegen kommen, bei Pferden mit tiefer Maulspalte bis 3 cm – doch kann man diese auch tiefer zäumen. Pferde, welche mit der Nase sehr tief gehen, zäumt man höher, solche, welche mit derselben sehr hoch oder herausgehen, tiefer. Oberbäume, welche länger als 4½ cm sind, müssen etwas nach außen gerichtet sein, damit sie das Pferd seitlich nicht drücken.
Für die Praxis des Zäumens wäre unter Zugrundelegung des darüber Gesagten noch folgendes anzuführen: Hartmäulige Pferde soll man versuchen, mit leichterer Hand und leichterer Zäumung zu reiten und sich dabei nicht vor dem Durchgehen fürchten. Ein kauendes, leicht an der Hand stehendes Pferd wird nicht durchgehen, denn es ist gehorsam. Das Zungenstrecken oder Bläken ist eine sehr häßlich aussehende Angewohnheit, die wohl darin ihre Erklärung findet, daß die Muskeln der Zunge durch zu starken Druck des Gebisses eine gewisse Nervenlähmung erfahren haben, die bei erneutem Druck wieder eintritt. Man hat verschiedene Versuche zur Hebung des Übels durch Anbringung von Platten oder Spielwerken am Gebiß gemacht, doch dürften eine leichte Hand und eine zweckmäßige Zäumung das sicherste Mittel dagegen sein. Für Pferde, welche sehr tot im Maul sind, ist das v. Rueffsche galvanische Mundstück, welches durch Säurebildung zum Kauen reizt, oder das v. Kleistsche Porengebiß – mit Salz gefüllt – zu empfehlen.
Weichmäulige Pferde sind recht leicht zu zäumen. Man reite dieselben mit dem Stahlrohrmundstück, das Verhältnis des Oberbaums zum Unterbaum, höchstens 1 : 2. Bei Pferden, welche sich dem Gebiß entziehen, die Nase sehr tief stellen und hinter die Zügel kriechen, nehme man den Oberbaum ein wenig höher und den Unterbaum ein wenig kürzer, das zäumt hoch und herbei. Pferde, die die Nase strecken und den Kopf hoch tragen, kann man mit längerem Unterbaum tief zäumen, um dadurch die Nase herab zu bekommen.
2. Das Kopfzeug.
Das Kopfzeug des Damenpferdes weicht in der Form nicht von dem Zivilkopfzeug des Herrenpferdes ab. Es besteht aus dem ledernen Hauptgestell, den Zügeln und den beiden Gebissen der Kandare und der Unterlegetrense.