| Fig. 31. Sattelselbstgurter. | Fig. 32. Schnellsattler. |
Eine neue Art der Sattelung soll nicht unerwähnt bleiben, da dieselbe, ebenso praktisch wie sicher, auch für die Damenreiterei dieselben Vorteile zu bieten scheint, wie für die der Herren. Bei ersterer ist das Satteln insofern mit technischen Schwierigkeiten verknüpft, als das feste Anziehen der Sattelgurte direkt körperliche Kräfte und – gute Zähne erfordert. Ein guter Reitknecht wird meist die Zähne dabei zu Hilfe nehmen, da er der einen Hand bedarf, um den Dorn in das Schnallenloch zu bringen. An diesem einen Schnallendorn hängt also die ganze Sicherheit der Reiterei.
Gegen diese Nachteile bezw. Unbequemlichkeiten tritt der Schnellsattler mit Erfolg auf. Es ist das eine von den österreichischen Hauptleuten Beranek und Kauçic erfundene Maschine, welche hebelartig den Gurt festlegt. Am Damensattel wäre diese Maschine an der rechten Seite des Sattels anzubringen. Sie beruht (Fig. 32) auf der Anwendung einer einfachen Hebelwirkung, die einen Strammschluß des Gurtes bei geringster Kraftanstrengung sicher herbeiführt. Unter der (beim Damensattel) rechten Sattelklappe wird eine Hakenbändertasche an die vom Sattelbaum herabhängenden Strupfengurte festgenäht. Die Hakenbänder sind zwei senkrecht gehende Metallstreifen (aa) mit korrespondierenden Einschnitten, die zur Aufnahme von rechts und links aus der Gurtenklappe (b) herausstehenden metallnen Stiften (cc) dienen. Der Gurt wird an der Gurtenklappe mittels eines Stahlstreifens (d) befestigt, indem die Metallstifte in die Einschnitte der Gurtentasche eingelegt werden. Wird nun durch Herumklappen der Gurtenklappen nach oben der Mechanismus geschlossen, so legt sich der Gurt ohne jede Kraftanstrengung stramm dem Pferdeleib an, da der Griff der Gurtenklappe wie ein verlängerter Hebel wirkt. Die Sattelklappe wird darauf heruntergeklappt, und die Gurtung sitzt fest. Von den Vorteilen, welche diese Sattelung bietet, sei nur hervorgehoben, daß zum Aufsatteln nicht mehr als 12-15 Sekunden gebraucht werden. Ferner ist die Möglichkeit geboten, in Momenten einer kurzen Rast dem Pferde durch Herunterklappen der Gurtenklappe eine wohltätige Erleichterung der Atmung zu gewähren. In bezug auf Haltbarkeit ist er unzerstörbar, also ist die Sicherheit selbst bei nur einem Gurte vollständig gewahrt. Der Vertrieb des Schnellsattlers ist für Deutschland dem »Offizier-Pferde-Verein«, Charlottenburg, Fasanenstrasse 24 von den Erfindern übertragen worden.
Für die Ausführung von tadellosen englischen Damensätteln, bei denen alle hier angeführten Eigenschaften derselben vorhanden sind, hat die Firma Champion and Wilton 457 and 459 Oxford-Street, London W., einen besonderen Ruf. Allerdings ist so ein Sattel nicht wohlfeil, er kostet in bester Qualität ca. 300 M. Über 4500 dieser berühmten Damensättel sind bereits im Gebrauch. Die Firma schickt für Bestellung eine Karte, auf der verschiedene Rubriken auszufüllen sind, wie Gewicht der Dame, Größe, gewünschte Breite des Sitzes usw. – Die besondere Bügelkonstruktion, die Lage der beiden Hörner, die Bauart der Kammer und die kunstvolle Polsterung der rechten Seite des Champion-Wilton-Sattels machen denselben zu dem vollendetsten, was es gibt. Ihre Majestät die deutsche Kaiserin reitet einen der vielen in Deutschland befindlichen Sättel dieser Firma. –
Da die Reiterin außer bei ihrem sonstigen Eigentum wohl auch die
Reinigung des Sattelzeugs
leiten bezw. überwachen wird, so können nachstehende Winke dafür gegeben werden:
Nachdem das Lederzeug und der Sattel mit Sattelseife gründlich abgewaschen, abgeschwammt und abgetrocknet worden, reibe man diese Gegenstände mit weißem Meltonian-Cream tüchtig ein. Sobald derselbe trocken ist, wird es mit einer steifen Bürste innen und außen gebürstet und zum Schluß noch einmal mit einer weichen Bürste oft und leicht nachgerieben. Das Leder wird dadurch glänzend und geschmeidig und alle Stellen der Innenseite verschwinden. Auszusparen von dieser Behandlung sind diejenigen Stellen des Sattels, die sich unter dem Bügelriemen befinden, weil Leder auf Leder durch das in dem Cream enthaltene Wachs kleben würde. –