Fig. 38. Der englische Trab.

Der Trab ist die einzige Gangart, in welcher das Gesäß den Sattel verläßt, um sich nach den Tritten des Pferdes werfen zu lassen. Er ist deshalb für die Anfängerin ebenso angreifend wie belehrend, da nur in ihm die Sicherheit des Sitzes erreicht werden kann. Ehe sich jedoch der Körper daran gewöhnt hat, den regelmäßigen Stoß zu ertragen, tritt eine allgemeine Schmerzhaftigkeit sämtlicher Muskeln ein, besonders auch Brustschmerz. Die Dame bedient sich daher fast immer bei regelmäßig trabenden Pferden gern des sogenannten englischen Trabes, besonders bei Pferden, die stark werfen und die man deshalb Hochtraber nennt. Der englische Trab (Fig. 38) besteht darin, daß man den Vortritt des einen Hinterfußes im Bügel stehend, auffängt, und erst bei dem Vortritt des andern Hinterfußes sich wieder leicht auf den Sattel fallen läßt. Der Körper nimmt dabei eine leichte Neigung nach vorn an, doch ist ganz besonders darauf zu achten, daß die Schultern in der Querachse des Pferdes bleiben, weil sonst eine drehende Bewegung von den Hüften aus eintritt, die weder schön ist noch vorteilhaft aussieht. Die Bewegung des englischen Trabes darf keineswegs etwa durch festes Aufstützen auf den Bügel und durch Heben des Oberkörpers erzwungen werden, sondern muß aus der Bewegung des Pferdes selbst hervorgehen. Hat die Reiterin sich schon einigermaßen an den Sitz auf dem Sattel und die Bewegungsart des Pferdes gewöhnt, so wird sich die Art des Englischtrabens ganz von selbst ergeben. Ein regelmäßig tretendes Pferd wird die Reiterin geradezu dazu auffordern, sich dieser Methode des Trabsitzes zu bedienen, welche nicht angreift und in der man lange verharren kann – vorausgesetzt, daß man sich nicht hineinzwingt. Die Ballenfläche des Fußes muß dabei regungslos auf der Trittfläche des Steigbügels verharren, während das Knöchelgelenk in steter Bewegung bleibt. Lose, locker muß der ganze Körper dabei bleiben. Es sei bemerkt, daß es keine Gangart gibt, welche die elegante, geschmeidige Reiterin so angenehm in die Erscheinung treten läßt, als gerade diese, und vorteilhafter kann sich keine Reiterin präsentieren, als in dieser Art des Reitens – notabene, wenn sie diese Methode vollständig beherrscht.

Um auf gerader Linie aus dem Schritt in den Trab überzugehen, stellt man sich das Pferd in die Hand, entlastet es dann vorne durch eine leichte Körperneigung nach rückwärts, indem mit Schenkel und Reitpeitsche die vortreibenden Hilfen gegeben werden. Damen, welche ihr eigenes Pferd reiten, können es auch leicht an den Zungenschlag gewöhnen. Die Zügelhilfen dürfen jedoch nie fehlen, denn es ist durchaus notwendig, daß das Pferd die vortreibende Hilfe aus der Zusammenstellung, d. h. dem Gleichgewicht erhält. Wird das Pferd kürzer und fauler, so wird es durch die bekannten Schenkel- bezw. Peitschenhilfen zum fleißigen Treten animiert, wird es länger, als erwünscht, so kommen die ebenfalls bereits bekannten Zügelhilfen zur Anwendung.

Fig. 39. Der Galopp.

Der Galopp (Fig. 39) ist diejenige Gangart, die für die Reiterin am bequemsten ist, in welcher sie sich sehr elegant präsentiert, welche daher von ihr am meisten bevorzugt werden wird und in der das Pferd seine größte Schnelligkeit, wenn auch nicht seine größte Ausdauer, entwickeln kann.

Je nach der Geschwindigkeit hat man den kurzen oder Paradegalopp und den verstärkten Galopp, der sich wieder bis zu der Karriere oder dem Rennlauf entwickeln kann.

Die Bewegungen des Galopps sind, wenn das Pferd in Haltung ist, wiegend und angenehm, für lange Strecken jedoch für das Pferd angreifender als der Trab, weil seine Lungentätigkeit dabei eine bedeutend erhöhte ist, auch seine Beine nicht wie beim Trab, gleichmäßig zur Aktion kommen, weshalb der Galopp beim Tourenreiten nur in Abwechslung mit den anderen Gangarten zur Anwendung gelangen darf. Neuerdings wird allerdings behauptet, daß der Galopp das Pferd weniger angreife als der Trab. Um dem Pferde den Galopp zu erleichtern, muß man durch Verlegung des Schwerpunktes auf die Hinterhand, also durch eine besonders aufgerichtete bezw. sogar etwas nach rückwärts geneigte Haltung des Oberkörpers, die Vorhand möglichst entlasten, damit das Pferd im Vorwärtssprung nicht behindert wird.

Das Ansprengen in den Galopp kann aus dem Stand, dem Schritt und dem Trab geschehen; die Hilfe dazu ist dieselbe, doch muß das Pferd stets vorher dazu versammelt werden. Um rechts anzusprengen, verlegt die Reiterin ihr Gewicht zunächst auf die innere (rechte) Seite und macht hier das Pferd weich, indem sie es an den äußeren Zügel und Schenkel – eventuell unter Zuhilfenahme der Trensenzügel – heranarbeitet, wodurch der äußere (linke) Hinterfuß durch den hinter dem Gurt liegenden (linken) Schenkel veranlaßt wird, unter das Gesäß zu treten. Wenn die Reiterin dann den Kopf des Pferdes eventuell unter Zuhilfenahme des rechten Trensenzügels so weit rechts stellt, daß sie das rechte Auge desselben schimmern sieht, gleichzeitig mit dem (linken) Schenkel eine antreibende Hilfe, vielleicht auch noch einen Zungenschlag gibt, so wird das Pferd stets richtig anspringen. Diese bei der Kavallerie eingeführte Praxis ist zwar rationeller als die gebräuchliche Methode, vorläufig aber für die Dame schwerer zu erlernen. Nach der letzteren versammelt die Dame ihr Pferd mit Zügel und Schenkel, stellt den Kopf desselben analog rechts, und gibt ihm mit der Gerte eine leichte Hilfe auf die rechte Schulter. Jedes Damenpferd ist voraussichtlich auf die hier angegebene Methode dressiert und wird demnach auch dieser Hilfe Folge leisten. Fühlt die Reiterin, daß das Pferd wieder in den Trab fallen will, so wird die Hilfe, event. verstärkt, wiederholt. Zum Linksanspringen wird analog verfahren, obwohl die meisten Damen nur ungern links Galopp reiten. Um das Pferd wieder in Trab oder Schritt zu setzen, werden die Zügel schärfer angenommen, Schenkel und Peitsche pressen gleichzeitig etwas kräftiger gegen, während der Körper wieder eine leichte Rückwärtsneigung annimmt. Man zwingt dadurch das Pferd zum Unterschieben der Hinterhand, um auf dieser zu parieren, schont demnach die Vorhand. Das Bewahren des Gleichgewichts auch in dieser Gangart gibt der Reiterin Sicherheit und elegantes Aussehen und schont das Pferd.