Für die Wendung im Galopp sei noch bemerkt, daß das Pferd im Rechtsgalopp nur rechts, im Linksgalopp nur links gewendet wird. Will die Reiterin, welche meist nur Rechtsgalopp reitet, die Linkswendung machen, so muß sie zuerst das Pferd zum Schritt parieren und nach ausgeführter Wendung wieder in den Rechtsgalopp einsprengen, oder die Wendung (im Renversgalopp) in ziemlich großer Kurve ausführen.
8. Das Reiten der verschiedenen Gangarten.
Es handelt sich hier darum, zu erläutern, wie das Pferd in die betreffende Gangart gesetzt und darin erhalten wird.
Um im Schritt (Fig. 37) anzureiten, senkt die Reiterin etwas die Zügelhand und treibt das Pferd durch einen leichten Druck mit dem Schenkel vorwärts. Sie hat darauf zu achten, daß das Pferd den Kopf leicht an das Gebiß stellt und den Hals aufrichtet, wodurch das Gleichgewicht hergestellt und das Pferd in gleichmäßigem Schrittempo erhalten wird.
Träge Pferde werden unter Zuhilfenahme der Reitpeitsche auf der rechten Seite mit energischem, bis zum moderierten Gebrauch des Sporns sich steigernden Hilfen zu munterem Schritt angetrieben; heftige Pferde aber, die vorwärtsdrängen und leicht ins Trippeln fallen, müssen bei weicher Führung stetige halbe Anhaltungen erhalten, während der Schenkel regungslos bleibt und nur das Gesäß auf die Hinterhand einwirkt.
Fig. 37. Der Promenadenschritt.
Das Zurücktreten, welches in der Praxis oft Verwertung findet, wird dem nicht dressierten Pferde sehr schwer; in der Dressurperiode braucht man es, um das Pferd auf die Hanken zu setzen. Vor dem Zurücktreten versammelt die Reiterin das Pferd, die Hand senkt sich etwas, dreht sich schraubenartig, bis der kleine Finger gegen den Leib kommt, Schenkel und Reitpeitsche geben eine leichte Hilfe, das Gewicht wird etwas nach rückwärts verlegt. Nach drei bis vier Schritten Rückwärtstreten gibt man wieder Luft, das Manöver in dieser Weise fortsetzend, es jedoch nicht über zehn bis zwölf Schritte ausdehnend, da sonst der Zweck verloren geht und das Pferd leicht widersetzlich würde. Will dasselbe mit der Kruppe ausweichen, so legt man den Schenkel bezw. die Reitpeitsche an der betreffenden Seite etwas fester an, wodurch es wieder auf die gerade Linie zurückgebracht wird. Man hat darauf zu achten, daß das Pferd dabei nicht hinter die Zügel kriecht und von selbst zurückeilt, wobei das Gleichgewicht verloren geht. Das Pferd muß stets auf die Hilfen warten; wenn es dies nicht tut, sondern ohne die Hilfe zurückeilt, so wirken Schenkel und Peitsche wieder vorwärtstreibend. Das Zurücktreten wird auch als Strafe bei Pferden angewendet, die sich sehr auf die Vorhand legen oder in den Hanken steifen, um sie wieder ins Gleichgewicht zu setzen, eventuell auch bei anderen Ungezogenheiten.
Der regelmäßige Trab ist die wichtigste Gangart des Pferdes, weil jedes Bein hierbei infolge seiner gleichmäßigen Schenkelordnung die gleiche Schwere zu tragen hat, die Beweglichkeit aller Muskeln, Sehnen und Gelenke dabei am zweckmäßigsten entwickelt und für schwierige Gänge und Übungen vorbereitet wird. Auch für die Reiterin ist der Trab, abgesehen von dem schnellen und sicheren Fortkommen, eine gesunde und stärkende Bewegung, und an ihm bildet sie vorzugsweise Haltung und Gleichgewicht. Man teilt den Trab ein in kurzen, Mittel- und gestreckten Trab. Fehlerhaft gebaute Pferde sind nicht immer imstande, diese Regelmäßigkeit innezuhalten, z. B. solche mit langem Rücken können nicht weit genug vorgreifen, sehr kurze oder schwachrückige Pferde greifen zu weit hinaus, bevor noch der Vorderfuß den Platz verlassen hat, und hauen sich dann an die Vordereisen oder in den Ballen, was man Greifen nennt.