Schulter herein: nach innen gestellter Kopf, die Vorhand in die Bahn, die Hinterhand auf dem äußeren Hufschlag, wobei die inneren Extremitäten die äußeren überschreiten müssen.

Renvers: Vorhand auf dem inneren Hufschlag, Kopf nach außen gestellt; die inneren Extremitäten überschreiten die äußeren.

Travers: nach innen gestellter Kopf, die Vorhand auf dem äußeren, die Hinterhand auf dem inneren Hufschlag; die äußeren Extremitäten überschreiten die inneren.

Kontra-Schulter herein: Kopf nach außen, die Vorhand auf dem äußeren, die Hinterhand auf dem inneren Hufschlag, die äußeren Extremitäten überschreiten die inneren.

Man hat dabei hauptsächlich zu beachten, daß das Gewicht nach der inneren Seite verlegt wird, daß man dem Pferde den Kopf nicht weiter herumstellt, als bis man das betreffende Auge schimmern sieht, und endlich, daß das Pferd sich in nicht größerer als in einer Sechszehntel- bis Achtelwendung vorwärts bewegt. Der treibende innere Schenkel (bezw. die Peitsche) geht leicht heran, das Pferd durch fortwährendes Drücken (bezw. Klopfen) zum Vorwärtstreiben animierend, während der entgegengesetzte äußere Schenkel (bezw. die Peitsche) das zu weite Ausweichen mit dem Hinterteil verhindert. Die Seitengänge werden im Schritt und im kurzen Trab geritten, sehen bei richtigem Sitz und guter Führung sehr elegant aus und erhalten das Pferd gehorsam und geschmeidig.

Fig. 40. Der Rennlauf.

Unter welchen Modifikationen die Seitengänge nur nützlich wirken können, soll noch kurz erörtert werden. Ist die Seitwärtsstellung des Pferdes zu stark, so daß die dafür erforderliche Biegung der Wirbelsäule nicht angenommen werden kann, so tritt der Hinterfuß derjenigen Seite, nach welcher sich das Pferd bewegt, nicht unter die Last, sondern seitwärts derselben. Indem er sich so der Belastung und damit der Biegung entzieht, wird er nicht nur nicht bearbeitet, sondern gibt dem Pferde sogar das beste Mittel, sich den Einwirkungen der Reiterin zu entziehen, denn alle Widersetzlichkeiten beginnen mit dem Seitwärtstreten des Hinterfußes. Solange man aber das Pferd – auch in der Biegung – gerade erhalten kann, ist es im Gehorsam.

Um nicht unvollständig zu sein, habe ich die Seitengänge hier mit angeführt, obwohl sie von der Anfängerin nicht geritten werden können. Dazu gehört schon eine ganz tüchtige Reiterin, und dieser wieder brauche ich nicht zu sagen, wie die Seitengänge geübt werden und wie die Zügelführung dabei ist.

Springen ist nicht so schwierig, selbst nicht für die noch nicht firme Reiterin, wenn die Vorstudien dafür richtig eingeleitet sind. Wert und Bedeutung wird das Springen allerdings erst gewinnen, wenn die Reiterin Jagd reitet. Vorher aber muß es eingeübt und studiert werden. Auch schon des Pferdes wegen, denn jedes Pferd springt anders, auch muß jede Reiterin wissen, nicht nur wie sie sich selbst dabei zu verhalten hat, sondern auch, wie ihr Pferd springt und ob dasselbe grundsätzlich kein Hindernis scheut. Letzteres ist außerordentlich wichtig – andererseits kann ein Unglück eintreten. Für nicht fertige Reiterinnen sind beim Anreiten an das Hindernis alle Einwirkungen auf das Pferd gefährlich, indem dieselben, nicht im richtigen Moment gegeben, dasselbe stören und verwirren müssen. Dreistes Heranreiten, gleichmäßige Anlehnung und Hintenheruntersitzen – dann aber gewähren lassen, ist für die mittelmäßige Reiterin das Beste.