Fig. 41. Der Hochsprung.
Beim Anreiten an ein Hindernis, ob Graben oder Hürde, muß dem Pferde mit Schenkel und Peitsche ordentliche Anlehnung an das Gebiß gegeben werden, damit es nicht ausbricht und dabei eine kurze und heftige Wendung macht, oder durch Stutzen auf den Vorderfüßen kurz vor dem Hindernis die Reiterin aus dem Sattel schleudert. Durch den Absprung bekommt die Reiterin einen Stoß, der sie vorwärts resp. auf den Hals wirft, wenn sie nicht ihr ganzes Gewicht auf die Hinterhand verlegt hat. Der Niedersprung ist mit einer Rücklehnung des Körpers auszuführen und das Pferd, dem sofort nach dem Absprung Luft gegeben wurde, wieder mit dem Zügel aufzufangen. Zum Anreiten an ein Hindernis, sei dieses ein Graben zum Weitersprung oder eine Barriere, Hürde etc. zum Hochsprung, bedient man sich am besten des kurzen Galopps, um das Pferd recht versammelt zu erhalten; in der Karriere anzureiten, wenn es nicht die Notwendigkeit erfordert, vermeide die noch in der Lehrperiode befindliche Reiterin lieber.
Um das Pferd an den Sprung zu gewöhnen, muß man mit ganz niedrigem Barriere- oder Stangensprung anfangen und ganz allmählich die Anforderungen steigern, doch darf man in einer Lektion nicht so oft springen, daß das Pferd ermüdet, da dies am ehesten Unlust zum Springen erzeugt. (Fig. 41, der Hochsprung.)
Fig. 42. Der Weitsprung.
Zum Üben des Sprunges über den Graben (Fig. 42, der Weitsprung), wähle man anfangs schmalere Gräben mit festen Rändern, weil Einbrechen das Pferd oft auf längere Zeit hinaus widerwillig macht. Während des Sprunges überlasse man das Pferd sich selbst, damit es sich an die Abmessung der Gräben und die dafür aufzuwendende Kraft gewöhne. Bei vielen verschiedentlichen Hindernissen, die kurz aufeinander folgen, gebe man dem Pferde etwas Zügelfreiheit, daß es seinen Hals dehnen und für den demnächst auszuführenden Sprung selbst seine Dispositionen treffen kann.
9. Auf- und Absitzen.
Unter den vielen Gründen, welche gegen das Reiten der Damen im Seitsitz angeführt wurden, war auch der, daß die Reiterin nicht allein bezw. ohne Hilfe das Pferd besteigen könne. Im allgemeinen ist das ja richtig, wenn auch eine gewandte, im Turnen geübte Reiterin wohl imstande sein wird, wenigstens von einer Erhöhung, z. B. einem Tritt oder Stuhl aus, allein aufs Pferd zu gelangen, d. h. wenn dasselbe gehalten wird. Unterwegs allerdings und allein wird die Reiterin nur ausnahmsweise imstande sein, in den Sattel zu gelangen.