„Aber, meine Herren, der Fisch wird schlecht, läßt die Köchin sagen, und wenn’s noch länger dauert, kann sie auch für den Braten nicht garantieren.“

„Ist egal, raus! Und kommen Sie hier nicht alle Nas’ lang ’reingeschettert, um zu horchen! Wenn wir essen wollen, werden wir’s schon sagen!“

„Na schön, meinetwegen! Wenn aber nachher das Diner nicht auf der sonstigen Höhe ist, ich hab’ keine Schuld!“

Herr Kalinski, Oberkellner des Grand Hotel de Russie in dem ostpreußischen Landstädtchen Stradaunen, zog sich gekränkt von der Tür zurück, hinter der die Tischgesellschaft Masovia eine geheime Sitzung abhielt, und nahm vor seinem Stifte Louis eine würdevolle Haltung an.

„Horchen! Ich und horchen! Hast Du so was schon mal an mir erlebt, Louis?“

„An Ihnen? Gott steh’ mir bei, nein, Herr Kalinski! Aber das sind immer diese gemeinen Erfindungen von dem Herrn Provisor Kellmigkeit. Wo er unsereinen zu sehen kriegt, hängt er einem ’ne Grobheit an.“

Herr Kalinski hob geringschätzig die glattrasierte Oberlippe.

„Keine Klasse! Und merk Dir das für Deine zukünftige Laufbahn, mein Jungchen: Wie sich einer gegenüber ’nem Kellner benimmt, danach kannst Du ihn gleich eintaxieren, was er ist. Der gemeine Powel schimpft, der Mittelstand ist freundlich, für die ganz vornehmen Herrschaften aber ist der Kellner Luft. Einfach Luft!“

Das pfiffige Jungengesicht des Stiftes verzog sich zu einem Grinsen.

„Der Herr Provisor schimpft! Und neulich hat er mich an den Ohren gerissen, ich soll in dem kleinen Schrankchen gekramt haben, wo die Herren das Protokollbuch verwahren über die geheimen Sitzungen.“