„Du hatt’st natürlich gekramt!“
Der Stift legte beteuernd die Hand auf die Brust.
„Herr Kalinski, ich schwör’ Ihnen, wahrhaft’gen Gott, nein! Aber wie das so kommt, das Schrankchen war ganz zufällig umgekippt, neulich, und dabei ging die Tür auf. Na und weil ich doch nun nicht in ’nen falschen Verdacht geraten wollt’, als hätt’ ich drin rumspioniert, fing ich in meiner Verlegenheit an zu probieren, ob ich die Tür vielleicht wieder zukriegen möcht’. Also da hat sich denn ’rausgestellt, daß mein Kommodenschlüssel zu dem Schrankchen paßt, als wenn er extra dafür gemacht wär’.“
„Hm,“ sagte Herr Kalinski und sah seinen Lehrling wohlwollend an, „was steht denn nun in dem geheimen Protokollbuch drin?“
„Gott, so allerhand. Einnahmen und Ausgaben, Berichte über Sitzungen und Festlichkeiten, für heute aber war ’ne Tagesordnung angesetzt.“
„Eine Tagesordnung?“
„Ja, ich hab’s ganz genau gelesen. Beschlußfassung über den Antrag Kellmigkeit, betreffend Stellungnahme zu dem Referendarius Brenitz.“
„Derselbe, wo bei uns von Berlin aus telegraphisch Zimmer bestellt hat? — Was zum Deuwel haben die Herren da drinnen zu ihm für Stellung zu nehmen?“
Der Stift zuckte mit den Achseln.
„Keinen Schimmer, das stand in dem Protokollbuch nicht drin. Aber morgen früh wird man ja sehen, was der Herr Provisor über die Sitzung eingeschrieben hat.“