Herr Kalinski kraute nachdenklich in seinen spärlichen Bartkoteletten und sah den Fliegen zu, die in dichtem Schwarme um das Bassin der Hängelampe kreisten.
„Hm, das ist so ’ne Sache. Was Gutes ist’s auf keinen Fall, wenn man zu einem ‚Stellung nimmt‘! Dieser Herr Referendarius Brenitz hat bei uns zwei Zimmer mit Salon bestellt, erst mal bloß für acht Tage, aber vielleicht, wenn’s ihm gefällt, bleibt er auch länger. Da würde es einen also schon vom rein geschäftlichen Standpunkt aus interessieren, was die Herren von der Masovia mit ihm vorhaben. Aber, hörst Du, ich bin ein Schäntelmann. Mit so was, wie Nachschlüsseln, will ich nichts zu tun haben.“
Louis, der Stift, kniff ein Auge zu und lächelte pfiffig.
„Das Schrankchen kann ja vielleicht wieder umfallen, wenn man aus Versehen dagegenstößt!“
„Kleines Beest,“ sagte Herr Kalinski, gab seinem Lehrling eine wohlwollende Kopfnuß und sprang diensteifrig zu, um einem verspäteten Mitgliede der Tischgesellschaft, dem Referendarius Heino von Bergkem, Hut und Stock abzunehmen; einem hochgewachsenen jungen Manne, dem im gebräunten Gesichte ein Paar lustige blaue Augen standen.
„Ergebensten guten Tag, Herr Baron! Wieder zurück aus Przygorowen? Und haben Herr Baron Weidmannsheil gehabt?“
„Dieses nun weniger! Aber seien Sie nicht so bestrickend liebenswürdig, Kalinski, Geld gibt’s heute doch noch nicht. Ich hatte keine Gelegenheit, meiner alten Dame die bei Ihnen angebundenen zweihundert Emm zu beichten.“
Herr Kalinski verneigte sich unterwürfig.
„Aber, Herr Baron! Und wie können Herr Baron bloß glauben, daß ich auch nur im entferntesten auf diese Kleinigkeit anspiegeln wollte?“
„Na, um so besser,“ unterbrach ihn Heino lachend und wandte sich zum Speisezimmer.