»Meinst Du?«
»Aber positiv! Der Unterschied gegen früher ... Also den muß doch ein Blinder mit dem Krückstock fühlen!«
»Na dann komm, Kind, wollen wieder nach Hause reiten. Auch ich hab' genug gesehen, die Schwadron ist in guten Händen. Und merk' Dir eins: eine Truppe ist wie ein edles Pferd mit allen Vorzügen und Untugenden. Unter einem miserablen Reiter im Sattel bockt es, unter einem tüchtigen gibt es sein letztes her.«
Die Julisonne brannte sengend vom wolkenlosen Himmel herab, die Gäule warfen Schaum von den Gebißstangen und bekamen nasse Flanken. Die Reiter hatten schwarze Gesichter von Staub und Schweiß, seltsam blänkerten die glänzenden Augen daraus hervor. Gaston brach das Exerzieren ab, er fühlte, er hatte die Schwadron in die Hand bekommen. Mit einem gewissen Stolz führte er sie in die Stadt zurück, ins Quartier.
Als die Spitze vom großen Platze unter die schattigen alten Bäume lenkte, die den Weg zum Städtchen umsäumten, drehte er sich im Sattel: »Wachtmeister, jeder Dragoner kriegt heute abend zwei Glas Bier in der Kantine auf meine Rechnung. Ich bin mit der Schwadron zufrieden! Und jetzt bitte ich mir ein Lied aus.«
Durch die in Marschkolonne reitende Truppe ging es wie ein Rauschen, der neue Rittmeister hatte sie auf Anhieb erobert. Schneid hatte er, verstand seinen Kram und besaß ein Herz für seine Kerls. Einer der Unteroffiziere erhob seinen wohlklingenden Tenor, die Mannschaft fiel mit rauher Kehle ein
»An der Grenze fern im Osten
Hält ein Reiter still auf Posten,
Sieht hinaus ins weite Feld.
Drüben fahren auf Kanonen,
Sammeln sich Schwadronen,
In dem weiten, weiten Feld.«
Gaston von Foucar ritt an der Spitze seiner Truppe. Das Lied schien ihm wie eine gute Vorbedeutung. Vor Tagen schon hatte er's gehört, als sein Herz sich aus Skrupeln und Nöten zu lösen begann ...
Karl von Gorski ritt neben seinem älteren Bruder an der Queue der Schwadron. Er kratzte sich mit der gesunden Rechten hinter dem Ohr.
»Du, Hans, ich glaube, die schönen Tage von Aranjuez sind vorüber.«