Der jüngere der beiden Brüder zuckte mit den Achseln.

»Dafür gibt's 'ne Masse Erklärungen. Vielleicht hat er die liebenswürdige Absicht gar nicht bemerkt. Das glaube ich nämlich aus einem ganz bestimmten Grunde, und ebenso bin ich überzeugt, es tut ihm heute schon leid. Andererseits aber ist es auch möglich, er ist so maßlos verwöhnt, daß er auf diese neue Eroberung keinen sonderlichen Wert legt. Aber vielleicht kommt das noch ... Wenn er unser 'trautstes Cousinchen' erst näher kennen lernt.«

»Hm,« sagte der Aeltere, »Du red'st wie ein Buch! Jedenfalls müßte man dem Hermann Brinckenwurff einen kleinen Wink geben, damit er die Augen offen hält.«

»Um Himmels willen! Hast Du Lust, Deinen Daumen in eine Türangel zu klemmen? Damit knackt man Haselnüsse! Und uns beiden muß doch die Annemieze näher stehen! Ich bin kein Tugendbold, aber sag' mal selbst: Wenn Du die Aussicht hättest, eine Annemarie von Gorski zu heiraten, würdest Du es da fertig kriegen, eine nach übler Pomade duftende Mamsell auf den Mund zu küssen, mit dem sie kurz vorher – na sagen wir mal – Gänseleber mit Zwiebeln abgeschmeckt hat?«

Hans von Gorski schüttelte sich lachend.

»Nicht um tausend Taler!«

»Na also!«

Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her, dann fragte der Jüngere unvermittelt: »Du, Hans?«

»Was denn?«

»Kannst Du Dir vorstellen, daß uns beiden so ein Mädel wie Annemarie blanke Augen machen würde oder zur Ermunterung eine goldne Zigarettendose im Coupé liegen lassen?«