Der Kleine stieß einen komischen Seufzer aus.
»Da wunderst Du Dich darüber? Wo ich in Deine zukünftige Braut so unglücklich als nur irgend möglich verliebt bin? Mich tröstet nur eins: daß Du in Bälde nämlich den geliebten Topp Echtes am Abend entbehren wirst! Samt den Mikoschwitzen Deines Freundes Tonnchen, die Dir so viel Vergnügen machen. Dann mußt Du als ein gebändigter Herkules bei Deiner Omphale sitzen, die Spindel drehen und Heines Buch der Lieder deklamieren. Ich denke es mir wonnig!«
Herr von Brinckenwurff lachte.
»Entschuldige, Karlchen, daß ich Dich einen Augenblick ernst genommen habe. Aber das mit dem Herkules am Spinnrocken ist Phantasie. Oder vielmehr ganz richtig für die ersten paar Wochen. Nachher zieht man langsam die Kandaren an, lebt wieder, wie es einem paßt. Im ersten Jahre mault sie. Im zweiten hat sie so einen kleinen Quarrsack in der Wiege, da begibt sie sich.«
»Sehr richtig! Und – was ich schon immer fragen wollte – gibt's Krebse bei Eurem Verlobungsdiner?«
»Selbstverständlich! Schon seit acht Tagen lasse ich in der ganzen Umgegend sammeln. Kerle wie Hummern – pro Nase gibt es mindestens ein ausgewachsenes Dutzend.«
»Dann komme ich bestimmt. Für Krebse lasse ich mein Leben. Außerdem aber« – seine Stimme klang plötzlich scharf – »interessiert es mich immerhin, zu sehen, wie einer geborenen Gorski die Kandaren angezogen werden. Das überlegst Du Dir vielleicht noch! Na, gute Nacht, Hermann, ich muß jetzt nach rechts ab.«
Er bog in eine Seitenstraße, die zu der dunklen Bahnhofsallee im rechten Winkel stand. Der Lange rief ihm nach: »Manchmal weiß man wirklich nicht, was man von Dir halten soll!«
»Beruhige Dich,« rief er zurück, »manchmal weiß ich's auch nicht.«
Die beiden Brüder Gorski schritten der gemeinschaftlichen Wohnung zu, der ältere sagte mißbilligend: »Du wirst den Hermann Brinckenwurff so lange anulken, bis er Dir eines Tages an den Hals fährt. Diese Anzapfung eben war doch zum mindesten höchst überflüssig!«