Herr Burdeyko lief ein paar Schritte neben dem Wagen her.

»Wann soll ich zur nächsten Stunde kommen, Herr Rittmeister?«

»Weiß ich nicht,« rief er zurück, »ich lasse es Ihnen noch sagen.«

Als Gaston schon ein Ende weit gefahren war, fiel ihm plötzlich ein: wie kamen die Brüder Gorski eigentlich dazu, ohne Urlaub die Garnison zu verlassen? Beide hatten doch am Nachmittage Dienst? Der ältere beim Turnen, der jüngere beim Baden. Aber er vermochte nicht weiter zu denken. Eine Art von Stumpfheit war über ihn gekommen nach all den Aufregungen des Tages. Er dachte nur noch einen Gedanken, mit möglichster Beschleunigung den Rittmeister von Lüttritz aufzutreiben, damit dieser dem Herrn von Brinckenwurff in Orlowen die Forderung überbrachte und die blonde Annemarie Gorski ihn nicht für einen Feigling hielt, der gemächlich abwartete, bis andere vor ihm in die Bresche sprangen.

In der Wohnung des Herrn von Lüttritz erfuhr er, der Rittmeister wäre ausgegangen, ohne zu sagen, wohin. Da hinterließ er die Weisung, er bäte ihn, sofort zu ihm herauszukommen, und fuhr nach Hause, mit ohnmächtigem Zorn im Herzen. An wen sollte er sich in der Eile wenden? Jedem anderen hätte er einen langen Sermon erzählen müssen, ohne das Kind beim rechten Namen zu nennen. Und hinterher wäre die glatte Antwort gekommen, ohne vorausgegangene Anrufung des Ehrenrates wäre der Auftrag nicht auszuführen. Da gab es also nichts als warten. Und es gereute ihn fast, daß er auf der Freitreppe des Kalinzinner Schlosses in vornehmer Gesinnung mit seinen Absichten hinter dem Berge gehalten hatte.

Im Flur seines Häuschens empfing ihn der Bursche.

»Herr Rittmeister, vor einer Viertelstunde ist eine Depesche gekommen. Ich hab' sie auf den Schreibtisch gelegt.«

»Eine Depesche? Von wem denn?«

Die Frage war töricht, das wußte er. Mit zwei langen Schritten stand er im Zimmer, riß das zusammengefaltete Papier auseinander.

»Ihre Frau Mutter schwer erkrankt, ersuche dringend, sofort hierherzukommen. Ableben stündlich zu erwarten. Justizrat König.«