»Ich sehe ein, Herr Rittmeister, ich bin leider Gottes noch immer ein vorlauter und unbesonnener Knabe. Aber da ich schon längst die Befürchtung hegte, diese Untugenden könnten mich vielleicht einmal in Konflikte stürzen, paukte ich mich in meinen Mußestunden auf Pistolen ein. Durch Fleiß und Eifer brachte ich's im Laufe der Jahre dahin, daß ich sogar um ein weniges besser schoß als der lange Brinckenwurff. Und der konnte es eklig, produzierte manchmal, wenn wir im Park von Orlowen übten, recht nette Kunststücke. Da sagte ich mir in diesem Falle, es ist doch nicht gerade nötig, daß er diese Fertigkeit zur Ausrottung meiner ganzen Verwandtschaft mißbraucht. Nicht nur meines verehrungswürdigen Onkels in Kalinzinnen, sondern auch eines, allerdings erst anzuheiratenden Cousins.«
Gaston hatte verstanden, die Augenwinkel wurden ihm feucht.
»Na ja, schön! Aber ich kann nun reden und reden ...«
Karl von Gorski schluckte ein wenig, sah zum Fenster hinaus, vor dem ein plötzlich einsetzender Windstoß die fruchtbehangenen Kronen der Obstbäume bog.
»Ja natürlich! Diese kleinen Frauenzimmer ... pardon, ich wollte sagen, jungen Damen ... ja also, es ist zu merkwürdig. Mit der einen Hälfte des Herzens zittern sie um den Geliebten, in der anderen Hälfte aber regt sich allerhand Unklares, Romantisches ... Ich hab' sie gründlich angebrüllt per Telephon, meine Cousine Annemarie. Und zufällig traf ich die richtigen Argumente, die ihr einleuchteten: daß Herr Rittmeister nämlich keiner von denen wären, die gleich einer eilegenden Henne kakeln und spektakeln würden, wenn sie sich etwas vorgenommen hätten.«
Gaston atmete tief auf, streckte die Hand aus.
»Junge, wie soll ich Dir das alles mal vergelten?«
Der Kleine schnüffelte mit der Nase, aber sein Mund lachte schon wieder.
»Privatdiskursch, Herr Rittmeister, wie unsere österreichischen Bundeskollegen sagen?«
»Aber natürlich!«