»Dann, lieber Vetter Gaston, machen Sie um Unbeträchtlichkeiten kein Brimborium! Ein Pistolenvirtuose wie ich, der auf dreißig Schritt und Kommando Eins 'nen Hosenknopp trifft, hat's verdammt billig, Mut zu zeigen. Immerhin, wenn ich in Weichselmünde sitze und Ihr auf der Hochzeitsreise seid im schönen Land Italia, bitt' ich um eine Ansichtskarte. Die kleb' ich dann mit einem leichten Seufzer an die kahle Zellenwand und beseh' sie von Zeit zu Zeit mit neiderfülltem Herzen.«
Das Telephon schrillte an der Wand, Gaston hob den Hörer ab.
»Ja, hier Rittmeister von Foucar.«
»Die Antwort aus Eßlingen ist da,« sagte das Fräulein auf dem Amte, »darf ich vorlesen?«
»Ja, bitte!«
»Also: Rittmeister von Foucar, Ordensburg. Sehr erstaunt über Anfrage. Ihre Mutter vor Wochen unpäßlich gewesen, jetzt wieder ganz gesund. Spielen abends Bézigue wie immer und zanken uns, hoffen, Sie nach Manöver längere Zeit hier zu sehen. Gruß von Mutter und Justizrat König.«
»Danke verbindlichst,« sagte Gaston. Seine Stimme klang heiser vor Erregung. Die Beweiskette war geschlossen. Er deckte die Hand über die Augen, lehnte sich ein Weilchen lang mit der Schulter gegen die Mauer. Die überreizten Nerven gehorchten nicht mehr, er schluchzte leicht auf.
Karl von Gorski sprang hinzu.
»Um Gottes willen, Herr Rittmeister, haben Sie eine traurige Nachricht gekriegt?«
Da sammelte er sich langsam.