»Sei still, dummer Kerl, da draußen ist wirklich ...«
Weiter kam er nicht. Zu beiden Türen drang es herein. Er griff nach dem Browning. Ein greller Lichtstrahl blendete seine Augen, eine schwere Faust flog gegen seine Schläfe. Im Zusammenbrechen hörte er nur wie von weitem, daß die Alte, die ihn durch ein ungeheuerliches Geldangebot zu dem Verrate verführt hatte, wie eine vom Teufel Besessene schrie.
Die Gefangenen waren abgeführt. Gaston von Foucar stand mit den Offizieren seiner Schwadron in dem hell erleuchteten Zimmer. Die Augen lagen ihnen tief im Kopfe nach der aufregenden Jagd. Der Kommandeur saß am Schreibtische und las die Briefe, die man dem Gastwirt Burdeyko abgenommen hatte. Endlich fuhr er sich mit der Hand über die Stirn.
»Herr von Foucar, wenn ich diese Briefe ohne Vorbereitung gelesen hätte und in Ihrer Abwesenheit – ich wüßte nicht, wie ich geurteilt hätte! Aber jetzt wollen wir ins Kasino gehen, lieber Foucar, und eine vergnügte Flasche Sekt trinken. Ich spendiere sie mit dankbarem Herzen, weil meinem geliebten Regiment ein zum Himmel stinkender Skandal erspart worden ist.«
»Heißen Dank, Herr Oberstleutnant, aber ich möchte im die Erlaubnis bitten, eine Viertelstunde später erscheinen zu dürfen. Bei Frau von Lüttritz erwartet mich jemand.«
»Hab' schon 'was läuten hören, von dem Kleinen da, der in den nächsten Tagen uns auf längere Zeit verlassen wird. Um allerhand Schandtaten abzusitzen.«
Karl von Gorski klappte die Hacken zusammen und machte sein respektvolles Gesicht. Nur die in seiner Nähe stehenden Offiziere mußten das Lachen verbeißen, weil er in seiner bekannten Manier bei der Antwort mit den Ohren wackelte.
»Sehr wohl, Herr Oberstleutnant,« sagte er, »ich bin tief zerknirscht. Aber drei Monate Weichselmünde sind rasch herum. Namentlich wenn man sie in zwei Hälften absitzen kann. Ich schätze nämlich, wenn ich zur Hochzeit meines lieben Vetters Foucar ein Urlaubsgesuch einreiche, werden Herr Oberstleutnant die Gnade haben, dies Gesuch zu befürworten ...«
Der Kommandeur lachte auf.
»Frechdachs! Aber heute abend sollen Sie mein lieber Ehrengast sein beim Schoppen im Kasino. Und wenn wir über kurz oder lang zu ernsterem Beginnen reiten, sollen Sie mit Ihrem Zug die Spitze haben, Leutnant von Gorski! Vorwärts, meine Herren ...«