Sie sah ihn aus erschreckten Augen an.
»Um Gottes willen, hören's auf! Aber haben Sie in dieser Zeit wenigstens ab und zu einmal an mich gedacht?«
Da antwortete er ehrlich: »Wie sollte ich wohl, gnädige Frau? An dem ersten Abend freilich nach dem Rennen im Grunewald, da habe ich mich viel mit Ihnen beschäftigt. Nachher hatte ich keine Zeit. Zu viel Dienst. Mein Abteilungschef hatte den sechzehnstündigen Normalarbeitstag eingeführt, und – Sie wissen vielleicht – bei den Militärsoldaten ist's noch nicht üblich, in solchen Fällen durch Streiken eine höhere Gewinnbeteiligung zu erzwingen.«
Sie nickte zufrieden.
»Jetzt sind Sie wieder wie damals ...« Und plötzlich lachte sie auf: »Gott, war das komisch an dem Abend! Wie schlecht Sie die verwöhnte Magda Neudecker behandelt haben!«
»Gnädige Frau, ich war an dem Abend in einer seltsamen Mißstimmung. Das Ungehörige meiner Antwort wurde mir erst später klar ...«
»Ungehörig? ...« Frau Josepha schüttelte den Kopf.
»Entweder sind Sie wirklich was Besonderes, oder ein ganz ein Raffinierter: Fräulein Neudecker brennt lichterloh. Endlich mal hat sie einen Mann entdeckt! Einen Mann, der nicht mit verdrehten Augen und Liebesgegirr an die Millionenerbin herantritt! Wenn Sie morgen in der Tiergartenstraße Besuch machen, können Sie in acht Tagen die hold errötende Magda um das Jawort befragen ... Und nehmen's das nicht auf die leichte Achsel! Vier Millionen sofort! Haben Sie eine Ahnung, was schon eine Million bedeutet?«
Er verneigte sich lächelnd.
»Vielleicht, gnädige Frau! Ich habe vierhundert Mark monatlichen Zuschuß! Den brauche ich bloß mit zehn zu multiplizieren – Sie werden mir zugeben, ein lächerlich kleiner Koeffizient – ja, und ich kriege einen Begriff von den mir winkenden Freuden. Auch ohne die reizvolle Zugabe von Fräulein Magda. Aber ich hege nicht die geringste Absicht, mein Leben als so eine Art von Prinzgemahl zu beschließen.«