»Dazu wird vielleicht keine Gelegenheit sein. Heute nacht hatten wir alles gepackt, um fortzugehen. Da kam der Herr nach Hause, von der anderen. Wie er unsere Vorbereitungen sah, gab es einen schrecklichen Anfall. Ich glaubte, es ging schon zu Ende, aber er erholte sich wieder. Dann hat er geweint und gebettelt, sich die Haare gerissen und geschworen, er würde der anderen den Laufpaß geben. Die Josepha hat ihm nicht geantwortet, und jetzt läßt er sie nicht aus den Augen. Sitzt in seinem Stuhl und spricht kein Wort, bettelt nur immer mit den Augen.«

Gaston wandte sich ab, unsäglich widerwärtig war das alles.

»Na, dann sagen Sie Ihrer Herrin, es tut mir leid, aber unter diesen Umständen kann ich keinen Fuß in das Haus ihres Mannes setzen! Sie wird mir das nachfühlen.«

Die Alte hob die dürre Hand.

»Um Gottes willen, Herr, das geht nicht! Sie wartet auf Sie wie auf den Heiland. Um Sie noch einmal zu sehen und daraus Mut zu schöpfen für alles, was ihr noch bevorsteht. Wollen Sie ihr da dies kleine Opfer nicht bringen?«

»Es ist gut,« sagte er mit einem Aufatmen, »ich komme! Und da es unter all den Umständen wohl keinen anderen Weg gibt – richten Sie ihr etwas aus, was ich ihr sonst persönlich gesagt hätte. Ich setze allerdings dabei voraus, daß ich Ihnen vollkommen vertrauen darf.«

Die Alte reckte ihre hagere Gestalt, über ihr vertrocknetes Gesicht flog ein heller Schein.

»Sie vertraut mir, das muß Ihnen genug sein. Wie an einer Mutter hängt sie an mir.«

»Nun denn ... Also sagen Sie der gnädigen Frau, ich hätte heute meine Versetzung in die Front bekommen. In ein kleines Nest an der russischen Grenze. Ob ich nach Berlin zurückkehre, hängt nicht von mir allein ab. Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht bestimmt. Es kann ebenso gut sein, daß ich dort unten für immer bleiben muß. Ich bitte die gnädige Frau daher, sie möchte es sich noch einmal reiflich überlegen. Ob sie mir dorthin folgen will, in die engen und beschränkten Verhältnisse ...«

Um die welken Lippen der Alten flog ein bitteres Lächeln.