Sie schüttelte den Kopf, ohne die forschenden Augen von seinem Gesicht zu wenden.

»Ich bin ein altes Weib, vor mir brauchten Sie sich nicht zu genieren. Und es ist schon richtig. Sie sehen nicht aus wie einer, der sich vor Freude nicht zu lassen weiß! Aber ich werde ihr was vorlügen. Sie würde sterben, wenn ich ihr die Wahrheit sagen wollte! Seit dem ersten Tag, wo sie mir von Ihnen erzählte, ist sie krank. Erst als ich ausgekundschaftet hatte, daß Sie es mit keiner anderen hielten, daß Sie frühmorgens in das große rote Haus am Königsplatz fuhren und erst spät in der Nacht wieder heimkehrten, beruhigte sie sich.«

Gaston richtete sich auf. Es widerstrebte ihm, eine Unterhaltung weiterzuführen, bei der er wie auf einem Armesünderbänklein saß.

»Es ist genug. Empfehlen Sie mich Ihrer Herrin, ich werde mir erlauben, um fünf Uhr bei ihr zu sein!«

»Weiter soll ich ihr nichts ausrichten?«

»Nein!«

Die Alte trat näher, umklammerte seinen Arm.

»Lieber, guter Herr, seien Sie nicht böse. Ich müßte mich ja selbst verfluchen, wenn ich mir sagen müßte, ich hätte etwas bei Ihnen verfehlt. Nur, weil ich sie so sehr liebe, daß ich mein Herzblut verspritzen könnte für sie, meine ich immer, allen anderen müßte es ebenso gehen. Also, Herr, sagen Sie mir nur ein einziges Wort, damit ich mich vor meinem Kind nicht so zu verstellen brauch' ...«

Gaston machte sich unwillig los.

»Aber, meine Verehrteste, wer mutet Ihnen denn zu, daß Sie sich verstellen sollen! Richten Sie der gnädigen Frau einen schönen Gruß von mir aus! Alles, was unsere Zukunft angeht, werde ich heute nachmittag persönlich mit ihr besprechen.«