»Ja, Herr Hauptmann,« sagte sie, »und sehen! Damals als Sie zum ersten Male bei uns waren, hatte ich keine Gelegenheit.«

Sie sprach ein ganz korrektes Deutsch, nur in der harten Betonung gewisser Vokale verriet sich ein slawischer Anklang.

Gaston wurde es unter den musternden Blicken unbehaglich zumute.

»Sie stehen zu Frau Rheinthaler wohl in einem besonders vertrauten Verhältnis?«

»Ihre Mutter war zu eitel, da hab' ich sie genährt. Seit sie zum ersten Male in meinen Arm gelegt wurde, habe ich sie nicht mehr verlassen.«

»Na, das ist sehr nett von Ihnen!« Ihm fiel im Augenblick nichts anderes ein als diese banale Wendung. Und, mit einem Versuche zu scherzen, fügte er hinzu: »Sie sehen mich so prüfend an. Gefalle ich Ihnen nicht?«

Sie zuckte mit den Achseln.

»Darauf kommt es nicht an. Nur eins: Sie haben ihren Brief gelesen. Danach mußte ich fast eine halbe Stunde warten! Haben Sie so lange Zeit gebraucht, sich Ihre Antwort zu überlegen?«

Gaston fuhr mit gemachtem Unwillen auf.

»Hätte ich Sie vielleicht im Schlafzimmer empfangen sollen? Ich mußte mich doch erst anziehen!«