»Herr Hauptmann befehle?«

»Sagen Sie der Alten draußen, ich laß mich ihrer gnädigen Frau bestens empfehlen. Ich werde heute nachmittag um fünf meine Aufwartung machen.«

Der Bursche schüttelte den Kopf.

»Sell geht nit, Herr Hauptmann! Das alt Weible will partout den Herrn Hauptmann persönlich schpreche.«

»Na, dann soll sie gefälligst warten, bis ich mich angezogen habe!«

»Befehl, Herr Hauptmann!«

Gaston sprang mit beiden Füßen aus dem Bett, wusch und kleidete sich rascher an als sonst. Als er aber den Rock zuknöpfte, überfiel ihn eine eigentümliche Beklommenheit. Als ginge er einem hochnotpeinlichen Examen entgegen, so war ihm plötzlich zumut.

Er öffnete die Tür zum Vorzimmer: »Darf ich bitten?«

Eine seltsam gekleidete alte Frau erhob sich, trat einen Schritt näher. Unter einem bunten Kopftuch stand ein schneeweißer Scheitel. Die Füße steckten in schwarzen Schnürschuhen, in der Rechten trug sie einen derben Schirm, auf den sie sich stützte, als wenn ihr das Stehen schwer fiele. Aus dunklen Augen sah sie Gaston prüfend an. Schließlich seufzte sie leicht auf und kam langsam ins Zimmer. Gaston schloß hinter ihr die Tür.

»Sie wollten mich persönlich sprechen?«