»So arg, daß Du nie an eine andere denken wirst? Und wär' sie noch tausendmal schöner als ich?«
Da flüsterte er trunken: »Schöner als Du? Du bist für mich die Schönste, Herrlichste und Reinste auf der Welt.«
Sie hob sich auf den Zehenspitzen, biß ihn in die Wange, daß er einen jähen Schmerz verspürte: »Da, daß Du dieses letzte Wort nimmer vergißt! Und jetzt geh', daß ich mich ein wenig beruhigen kann, bis er wiederkommt.« – – –
Er stand draußen im grellen Sonnenlicht des heißen Sommernachmittags und ging langsam die Straße zurück, die zur Stadt führte. Ein großes Gefühl weitete ihm die Brust, wie ein Sieger kam er sich vor, wie ein Sieger über kleinliche Fürchte und Bedenken. Mochte sie nun aus den entzündeten Sinnen stammen oder aus dem übergewaltigen Mitleid – die Liebe war gekommen, erfüllte ihn ganz und gar! Und war er nicht etwa Manns genug, sich über alles hämische Gezischel und Geraune hinwegzusetzen, das sich vielleicht erheben konnte? Er brauchte sich nur herauszurecken mit allem, was er war, und die bösen Zungen verstummten! ...
Vor ihm auf der Straße ging einer dahin, der es ebensowenig eilig zu haben schien, nach der Stadt zurückzukommen, wie er. Ein untersetzter kleiner Herr in modischem Jackett und Strohhütchen, der ihm bekannt vorkam. Gaston verlangsamte unwillkürlich seinen Schritt und gedachte, die andere Seite zu gewinnen. Es wäre ihm unangenehm gewesen, jetzt, in dieser Stimmung irgend einem Schwätzer Rede und Antwort stehen zu müssen.
Da blieb der Voranschreitende plötzlich stehen, wandte sich um: »Guten Tag, Herr von Foucar!« In einem aschfahlen Gesicht flackerten ein paar Augen in irrem Glanz.
»Wodersen!« sagte er überrascht. »Wie kommen Sie hierher?«
»Ich hatte vor Ihnen in der Villa Rheinthaler einen Besuch machen wollen, wurde aber nicht angenommen. Da sah ich Sie stolz im Auto anfahren und, weil ich mir dachte, Sie werden doch nicht ewig drinbleiben, hab' ich auf Sie gewartet.«
»Na, das ist nett von Ihnen. Da kann ich Ihnen gleich Adieu sagen.«
»Sie verreisen?«