»Wodersen, hören Sie auf!«

Der andere lachte höhnisch.

»Das ist Ihnen peinlich, was? Ja, meinen Sie vielleicht, ich habe vor Freude getanzt, als ich heute früh die Nachricht bekam, für mich ist es aus? Nichts mehr zu hoffen, rein gar nichts ...« Er dämpfte plötzlich seine Stimme zu einem geheimnisvollen Flüstern: »Das dürfen Sie aber niemandem weiter sagen, ich kam mit einer ganz andern Absicht hierher ... Daß Sie noch leben, verdanken Sie ihr! Der Josepha! Sie hätte sich ja die schönen Augen blind geweint um Sie ...«

»Herr von Wodersen, ich nehme Rücksicht, daß Sie sich offenbar in einer Gemütsverfassung befinden ...«

Der Kleine nickte.

»Ja, nehmen Sie nur ... ist auch ganz recht! Heute früh hat sich mir da oben im Kopf was 'rumgedreht, ich hab's ganz deutlich gespürt. Von dem Augenblick an habe ich Mühe, meine Gedanken zu sammeln. Und das weiß kein Mensch, was das heißt, sich vor Qualen winden und schreien, während andere mit sattem Bauch ruhig schlafen. Aber ich hab' etwas für Sie, da werden Sie auch nicht schlafen. Ich hätte mich darüber hinweggesetzt, denn ich bin ja längst schon ein kleiner Lump geworden, innerlich. Von außen, wenn ich meine Uniform anhabe, merkt man es nicht so. Ja, also, Ihre zukünftige Frau Gemahlin, wie sie noch in Brünn am Stadttheater war, zusammen mit so einem nichtswürdigen Kerl von Schauspieler, da hat sie einen Selbstmordversuch gemacht.«

Gaston schritt schneller aus, um sich von der Gesellschaft des offenbar plötzlich Irrgewordenen zu befreien. Aber weit und breit war keine Fahrgelegenheit zu erblicken auf der sonnenbeschienenen Straße, und der andere neben ihm hielt gleichen Schritt.

»Rennen Sie doch nicht so, Foucar! Das muß Sie doch auch interessieren, daß Josepha damals sich umzubringen versuchte, weil der Kerl sie nicht wieder ehrlich machen wollte ... so ein gemeiner Hund! Sie kennen ihn auch ... er war gestern auch in der Loge, der glattrasierte Schuft ... er hat mir auch die Zeitungen gegeben, wo alles drinstand ... Sie müssen natürlich jetzt Ihren Abschied nehmen ... ich hätte ihn ja auch genommen.«

Gaston fühlte, wie es ihm rot vor den Augen wurde. Ob der da neben ihm nun klar im Kopfe war oder nicht – dafür gab es nur eins: niederschlagen! Er hob den Arm, aber der Kleine sprang wie eine Katze zur Seite, rannte ein paar Dutzend Schritte zurück und lachte gellend auf.

»Ach, Sie haben sich wohl eingebildet, ich wär' so leicht zu kriegen? Und die Zeitungen schick ich Ihnen zu – nach Ordensburg.«