»Annemarie,« rief er plötzlich, »da in der Wiesenschlenke am Haferschlag steht ein kapitaler Rehbock!«
Das Buch fiel zu Boden, das junge Mädchen sprang auf und beugte sich hastig zum offenen Fenster hinaus.
»Wo, wo?«
»Ja, jetzt ist er wieder weg. Bist eben zu spät gekommen!«
»Ach, Unsinn! Hast mich bloß angeführt, Papa!«
Sie setzte sich mit enttäuschtem Gesicht auf ihren Platz zurück. Der alte Herr aber lachte herzlich auf. Ein seltsam innerliches Lachen war es, das seinen ganzen gewaltigen Körper und mit ihm die Polster des Wagens erschütterte.
»Na ja, mein Kind! Wenn Dein Vater Worte der Weisheit spricht und Du ihm nur mit halbem Ohr zuhörst!«
Gaston hatte das zu Boden geglittene Buch aufgehoben und überreichte es Annemarie mit leichter Verneigung. Während des Niederbeugens hatte er unwillkürlich den Titel gelesen. Ueber sein Gesicht huschte ein verwundertes Lächeln.
»Bismarcks 'Gedanken und Erinnerungen'? Für eine junge Dame eine etwas ungewöhnliche Lektüre.«
Annemarie nahm mit leichtem Erröten das Buch, sperrte es in die neben ihr auf dem Sitze stehende Handtasche und dankte mit kurzem Kopfnicken. Ihre Antwort klang feindseliger, als sie beabsichtigt hatte.