»Brinckenwurff,« fiel der Lange ein, klappte die Hacken zusammen, »Leutnant der Reserve im Regiment.« Und Hans von Gorski fügte erklärend hinzu: »Hermann von Brinckenwurff! Zum Unterschied von seinem jüngeren, aber noch längeren Bruder Adolf. Der ist bei uns im Regiment aktiv, bei der zweiten Schwadron.«

Karl von Gorski aber machte große Augen und sah seinen neuen Vorgesetzten mißtrauisch an. Wie ein Füchslein, das eine Fährte witterte, über deren Bedeutung es sich nicht recht klar war.

»Herr Rittmeister sind mit meinem Kalinzinner Onkel und seiner Tochter zusammen von Königsberg gekommen?«

»Ja! Wir haben uns unterwegs recht nett unterhalten.«

»Und meine Cousine Annemarie hat die Tasche da, die sie sonst wie ein Kleinod hütet, aus Versehen liegen lassen?«

»Es scheint wohl so. Nach ihrem Aussteigen hab' ich sie gefunden. Und da ich annehme, der Verlust wird ihr recht unangenehm sein, möchte ich nicht, daß sie sich länger als nötig ...«

Er brach ab, er hatte den geheimen Sinn der Frage verstanden. Vom Herzen stieg es ihm heiß in die Wangen empor. Absichtlich hatte das liebe Mädel die kostbare Tasche liegen lassen, um ihm den triftigen Vorwand zu baldigem Besuche zu geben. Er schlug die Gelegenheit aus, und sie mußte sich natürlich gekränkt fühlen. Aber es war recht so ... Ein Pflänzlein, das eben erst im Aufkeimen war, riß man leichter aus, als wenn es schon seine Wurzeln tief ins Erdreich gesenkt hatte.

Karl von Gorski sah den Langen mit einem ironischen Lächeln an: »Mensch, Hermann, hast Du einen Dusel! Was wird die Annemieze sich freuen, daß Du gerade ihr das kostbare Doschen zurückbringst! Wo sie wahrscheinlich schon gemeint hat, es wär' für immer perdüh gewesen.«

Die Flasche war getrunken, die Herren rüsteten sich zum Aufbruch. Hermann von Brinckenwurff bestieg sein Fuhrwerk, der ältere Gorski ließ den Gaul vorführen zum Inspizierungsritt den Bahndamm entlang, wo an jeder kleinen Brücke die wachsamen Posten standen. Der jüngere geleitete den neuen Rittmeister nach seinem Hotel. Er hatte zu seiner Wohnung in der Nähe des Bahnhofs den gleichen Weg. Und während sie im Halbdunkel dahingingen unter den dichtbelaubten Linden der sogenannten Bahnhofspromenade, die nur in Abständen von hundert Schritten von einer kümmerlichen Gaslaterne erhellt wurde, fühlte er das Bedürfnis, seinen neuen Vorgesetzten angenehm zu unterhalten. Des guten Eindrucks halber.

»Haben Herr Rittmeister die Berliner Morgenblätter gelesen?«