In der tiefen Einsamkeit meines Tiermenschen-Lebens lernte ich, um dieses ertragen zu können, das Spiel auf der Leier, die ich mir aus Röhricht und Haaren meines Roßschweifes verfertigte. Ich lauschte die holde Kunst Faunen und Satyren ab. Sie füllten mit ihrem Wohllaut die Haine und lockten damit die Schönen an. Mein Saitenspiel sollte indes keine vernehmen.
Also übte ich mich in Melodien. Sie klangen traurig, traurig; denn ich ließ durch sie meine Sehnsucht sprechen und klagen. Wie hätten meine Weisen fröhlich klingen können? Zu den Tönen ersann ich Worte. Ich sang sie zu meinem Spiel. Meine Worte waren wie dieses.
Mit zunehmenden Jahren wuchs mein Unglück über mein Tiermenschentum. Ich wähnte, es sei mein Geheimnis, welches ich keinem Wesen unter dem Himmel verraten wollte. Um es zu hüten, zog ich mich tiefer und tiefer in die entlegensten Einöden zurück; wurde ich einsamer und einsamer. Zugleich mit meinem Unglück, nahm ich zu an Stolz und an Hochmut.
So schwand meine Jugend, so begann das Alter ...
Noch immer hatte ich nicht geliebt, noch immer nicht gelebt. Vom Tode wußte ich nichts, fühlte mich indessen wie tot. Trotzdem diese Sehnsucht! Große Göttin, diese Sehnsucht —
Doch dann sollte sich mein Schicksal erfüllen. Höre, du Herrliche, wie es kam: Eines Sommertags begegnete mir in der Wildnis hier dieser muntere Geselle. Er war der erste von meinesgleichen, den ich sah. Du kannst dir daher denken, wie mir bei seinem Anblick zumute ward: wie einem großen Toren, der die Welt nicht kannte. Ich trabte eilends auf ihn zu und sprach ihn an: »Sei gegrüßt, mein Leidensgefährte!«
Er aber, höchst verwundert, als sagte ich ihm etwas Ungeheuerliches, fragte: »Wie nennst du mich?«
»Leidensgefährte.«
»Weshalb sollte ich leiden?«
»Weil du doch gleich mir ein Tiermensch bist.«