Tullus haßte und verabscheute den Leichnam, der ewig sein sollte.

Wieder einmal war Daunus nach Antium hinübergeschifft. Tullus hatte ihn durchaus begleiten wollen, war aber beinahe mit Gewalt zurückgehalten worden; denn Daunus hatte dem Atinas gelobt, seinen Sohn der Küste fernzuhalten. Die Nachrichten, welche er über die Nazarener zurückbrachte, waren nicht danach angetan, die Gemüter zu beruhigen: laut und lauter erhoben die Jünger des neuen Gottes ihre Stimmen; offen schmähten sie die Ewigen als ungöttlich und gar nicht seiend; triumphierend erlitten sie Verfolgung, Marter und Tod. Ihre Zahl wuchs und wuchs.

Dann war lange Zeit der Verkehr mit dem Festlande unterbrochen: Winterstürme umbrausten die Insel. Endlich kam der Frühling: es war, als ob die Schwingen einer Gottheit im Vorüberrauschen den Felsen im Meere berührt hätten. Unter den Zypressen erblühte über Nacht ein Teppich von weißen und gelben Krokus; in den Gebüschen dufteten die Veilchen; die öden Klippen bedeckten sich mit Anemonen und Tazetten, und neben den Myrtensträuchern öffneten die Blumen des schönen Narzissus ihre duftenden Kelche.

In Schwärmen erfüllten Amseln und Nachtigallen den Hain mit Gesang. Es war ein Getön, als hätten die Zweige Stimmen und Wohllaut empfangen. Gleich Strahlen durchschossen die Blaudrosseln die sonnigen Lüfte; in den von Schmetterlingen umschwärmten Blumendickichten schwirrten bunte Käfer, und in den Zypressen nisteten zahllose Turteltauben.

Halbe Tage lang lag Tullus am Strand, hörte die Wogen rauschen, sah die Wolken über sich ziehen und starrte in die glanzvolle Meeresweite hinaus, hinüber zu dem langen, leuchtenden Streifen der lateinischen Küste. Es war in diesen Tagen, daß der Jüngling sich wie sterbend fühlte vor Sehnsucht.

Acca saß am mütterlichen Webstuhl, das Schifflein weniger eifrig als sonst durch die Fäden werfend. Sorgend gedachte sie des dunklen Wesens ihres lieben Freundes und fühlte sich so kummerbelastet, daß ihr häufig die Arme wie in tiefer Ermattung am Leibe herabsanken. Die Sonne ging unter in den purpurnen Fluten, die Glorie des Abendrotes verklärte den Webstuhl und die junge Gestalt des einsam in Trauer dasitzenden, reizenden Kindes.

Was war's nur mit ihm?

Er wollte fort!

Und fort mußte er, sonst verkam er. Sie kannte ihn! Lange ertrug er's nicht mehr, dann ging er fort: in aller Heimlichkeit, ohne ihr Lebewohl zu sagen. Er folgte seinem Vater; er ging nach Rom, in die ungeheure Stadt, wo Gefahren ihm drohten, wo niemand bei ihm war, ihn vor dem Verderben zu schützen.

Denn sie kannte ihn!