Und nach ihm trank Acca.
Den ewigen Göttern mußte das Leben der beiden Christen geopfert werden; aber Atinas wollte barmherzig sein.
Mit verhülltem Antlitz stand er, bis es zu seinen Füßen still geworden war: dann hob er den Mantel und schaute starren Blickes auf die beiden Toten herab. Ihre Mienen waren still und friedlich; Acca trug auch noch im Tod ihr holdes Lächeln, und Tullus' trotziges Gesicht hatte einen Ausdruck tiefsten Friedens. Da mußte der Priester denken: Wenn sie dennoch für eine heilige Sache gestorben wären? In Athen soll ein Altar stehen, dem unbekannten Gotte geweiht; wie, wenn jener unbekannte Gott Jesus hieße? Und wenn dieser Jesus ein wahrer Gott wäre, ein ewiger Gott? Was wären dann die »ewigen Götter«?
Und Atinas stöhnte wie einer, der eine Todeswunde empfangen. Er wankte. Es war, als ob er über den beiden Leichen zusammenbrechen würde; dann aber raffte er sich mächtig auf und schritt von seinen toten Kindern hinweg festen Ganges hinaus, um die Schar der Nazarener in die Arena zu führen.
So war der Wille des Cäsars.
Purpurfarbige Frühe lag über Himmel und Meer; Glut des aussteigenden Tages bestrahlte ein mächtiges Gewölk, das langsam und feierlich dahinschwebte; Morgenluft wehte, über das ewige Antlitz des Meeres glitt es wie ein Erzittern und Schauern.
Durch die weite Einsamkeit der Wellen lenkt Atinas den Nachen, gegen dessen Planken die Wogen rauschen und rannen. Zwei Tote schiffen dahin, zwei Vereinigte, der Heimat zu.
Requiescat in Pace, Tullus — Acca, requiescat in Pace!
Ende.