Mahiwa

Mahiwa — eine Baumwollstation am Lukuledi, nördlich vom Makondeplateau, in der Südostecke von Deutsch-Ostafrika.

Der 18. Oktober 1917 — der letzte Tag des größten Kampfes in der ostafrikanischen Kolonie, der jetzt schon ununterbrochen vier Tage und Nächte dauert.

Ein azurblauer Himmel spannt sich über die freie Fläche rings um die Häuser und Schuppen von Mahiwa, über die angrenzenden weiten Wälder. Das letzte zusammengeschmolzene Häuflein der Schutztruppe wehrt sich hier gegen Tausende des übermächtigen Feindes, der seine weißen, schwarzen, braunen und gelben Kriegermassen seit Tagen anrennen läßt.

Zu Haufen getürmt liegen die Toten — — auf beiden Seiten! —

Nur Stück für Stück werden die Patronen verteilt — die deutsche Munition ist schon seit zwei Tagen fast zu Ende. Rauchstarke Gewehre und Jagdbüchsen kämpfen gegen die zehnfache Überzahl modernster Waffen, Minenwerfer, Flugzeuge.

Weithin hallt das Dröhnen, Brüllen, Krachen!

Kommt man von Westen, von der am Uferlauf des Lukuledi liegenden Mission Ndanda, deren langgestreckte weiße Häuser jetzt voll von Verwundeten liegen, und nähert sich von hinten der Kampffront, so sieht man plötzlich auf einer Anhöhe dicht hinter dem Naungosumpf die eingefallenen, rötlichen Mauerreste eines Steinhauses.

Trotzig ragen einige noch stehende, halbzerfallene Pfeiler aus dem umgebenden Unterholz.

Man sagt, es sei von einem Pflanzer begonnen worden, der sich hier ansiedeln wollte, nach kurzer Zeit aber dem den Niederungen des Sumpfes entsteigenden Fieber erlegen ist.