Staub, Dunst, Geruch von Menschenschweiß, schwarzem wie weißem, Gestank von Benzin, Gummireifen und Öl in der Luft!

Staunend, traurig sehen wir auf diese Verwandlung!

Hier vor uns der Wißmannplatz, früher ruhig, vornehm, tadellos sauber — in der Mitte das bekannte Bronzebild unseres berühmten Afrikaners — — jetzt aufgerissen, öl- und schmutzbefleckt, von Hunderten von Rädern zerwühlt, voll von tiefen, vom Regen ausgewaschenen Löchern, über die dröhnend, ohrenbetäubend Lastautos rattern. Ein leerer Sockel zeigt die Stelle, wo der eherne Wißmann gestanden — betrunkene Tommys haben ihn eines Nachts hinuntergeworfen!

Krankenbahren, Krankenwagen überall! Daressalam steht im Zeichen der spanischen Influenza, der Grippe! Mehr denn zwanzig weiße Engländer und über hundert Schwarze werden täglich auf die Friedhöfe getragen. Früher gab es nur einen, jetzt — seitdem England sich hier zum Kulturträger aufgeworfen hat — genügen vier nicht mehr!

Aber auch uns hat es mit aller Macht erfaßt, wenig mehr denn hundert sind wir noch gewesen — einen Offizier und zehn Mann haben wir bereits hier zu Grabe getragen — alles Opfer der spanischen Influenza!

Abgemagert, noch fiebernd liegen wir auf der Veranda des Kaiserhofes, durch dessen einst so elegante Räume das Getrappel englischer Lazarettkranker, Matrosen und Tommys hallt, und blicken, trotz der glühenden Hitze von Frösteln durchschauert, auf das fremde, wüste Treiben und Leben in unserer einstigen Hauptstadt.

Unsäglich verlassen kommt man sich vor!


Ich denke unwillkürlich an die letzte Nacht, die ich vor zweieinhalb Jahren hier verbracht — — es war die drittletzte, bevor die Engländer Daressalam einnahmen.

Von Westen kommend, wo in der Palmenschamba von Devers meine Stellungen lagen, ritt ich auf der Pugustraße abends in die Stadt. Das Blockadegeschwader hatte Sansibar verlassen. Wir mußten des Nachts auf einen Angriff gefaßt sein.