Nach Süden zu liegt das Felsmassiv der Insel Hallanya, weiter nördlich ragt wie ein glatter, kantiger Meteorstein die Insel Soda aus den blauen, schäumenden Wassern.
Vierkantig wie eine Pyramide steht sie klotzig da, keine zweihundert Meter hoch, kaum zwei, drei Kilometer im Umfang. Weithin leuchten ihre rötlichen, glänzenden Wände — kein Baum, kein Strauch, nicht der spärlichste Grashalm bringt Abwechslung in die sonnendurchglühten Hänge.
Dicht an ihrer Nordseite, im Windschutz, liegt unsere »Königsberg« — sie wartet hier auf einen Dampfer, die »Somali«, der als einziger Freund in dem weiten Indischen Ozean Kohlen in ihr Versteck bringen soll. Er ist von Daressalam dorthin bestellt.
Das Versteck ist gut, — weit ab liegt es von allen Dampferstraßen. Nicht alle Seekarten enthalten diese einsame Inselgruppe. Dort können wir ungestört Kohlen ergänzen. —
Aber der Feind ist auf der Suche!
Es ist Mitternacht. Warm in meinen Mantel gehüllt gehe ich die Mittelwache auf der Brücke.
Es ist kalt — trotz der Nähe des Äquators, trotz der Sonnenglut! Der Wind braust mit phantastischer Stärke. Er kommt von oben, von dem Gipfel des Felszackens, an dessen Kante er sich bricht, und rast schräg nach unten. — Die Stöße sind so stark, daß man das Gefühl hat, als würde das Schiff ab und zu tief ins Wasser gedrückt.
Hoch über der Brücke hebt sich wie das Haupt eines schlafenden Riesen die nachtschwarze Wand der einsamen Insel von dem strahlenden Sternenhimmel ab. Kein Laut übertönt das Brausen des Sturmes. Die Vögel schweigen, sie haben sich in ihre Felsennischen zur Nachtruhe zurückgezogen.
Nur die Pardunen und Stagen am Mast singen ihr Lied, bald stärker, bald schwächer, je nachdem der Wind auf ihnen spielt.
Aber der Feind ist auf der Suche!