Leise summen die Hörer im Funkenraum. Da spricht das im Norden Indiens liegende Karachi mit Bombay, da ruft ein Kreuzer Karachi an, ein anderer antwortet. Sein Laut ist klar und stark — weitab kann er nicht sein! —

Wir sind allein, allein einer Welt von Feinden gegenüber. Wo sind deutsche Geschwader?

Tausende von Meilen nach Nordwesten in den deutschen Gewässern, Tausende von Meilen nach Nordosten — an der Küste Ostasiens!

Eintönig hallt der Schritt des Bootsmannsmaaten, der Wache auf den Decksplanken, vornübergebeugt stemmt er sich gegen den Wind.

Das Schiff schläft. — Schwarz und winzig liegt es in der dunklen Nacht. Der Wind fegt die weißen Kämme an seine Flanken. — —

Rotglühend, glitzernd, strahlend bricht der Tag an. Wir warten! — Warten!

Der Monsun rast mit unverminderter Stärke. Lange, zerfetzte Nebel und Dunstschwaden ziehen in sausender Fahrt an dem Gipfel des Felsberges vorbei, verzerrte Schatten auf die hellrot glänzenden Sandsteinwände werfend.

Zwischen den weißen Schaumköpfen der brausenden See taucht ein schwarzer Körper auf. Massig, plump! — Ein Hai?

Er kommt näher und näher — langsam treibend, wie eine Kuff vor dem Winde. — Es ist eine Riesenschildkröte! Ein Tier von seltener Größe. Über ihren gepanzertem Rücken, dessen Schild in der strahlenden Sonne glänzt, springen die weißen Schaumkämme. Sie verschwindet, taucht wieder empor und rudert langsam dem weißen Streifen der Brandung zu. Dort am Strande, zwischen den brechenden Seen liegen in feinem Triebsande Berge von weißgebleichten Schildkrötenschädeln. Die meisten größer als Kinderköpfe, viele so alt und verwaschen, daß ein leichter Tritt des Fußes sie in Staub auflöst.

Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte mögen sie hier liegen. Ihre großen schwarzen Augenhöhlen starren in die blendende Sonne. — —