Langsam umsteuern wir die nördliche vorspringende Landzunge — Doppelgläser, Fernrohre und Entfernungsmeßgeräte suchen die sich ausdehnende Bucht ab. — Nichts. Kein Schiff, kein Kreuzer, keine Spur eines Lebewesens. In schwerlastender Einsamkeit dehnen sich dort Höhenzüge um Höhenzüge — kein Grün, kein Baum, kein Strauch, nur Sand — gelber, roter, der, vom Wind getrieben, die Linien dieser heißen Wüstenlandschaft sanft ineinander verfließen läßt. Ein glühender Hauch fegt ab und zu über das Schiff, wenn der Monsun, hier durch die Landmassen gehemmt, seinen frischsalzigen, starken Atem einstellt.
Das Brausen der See hat aufgehört, eine langwellige, hohe Dünung wälzt sich gleichmäßig, im Morgenlicht flimmernd, heran und mildert die stoßenden, starken Schlingerbewegungen in ein sanftes weiches Schwingen.
Am Westrand der Bucht, wegen der geringen Wassertiefe einige tausend Meter vom Land, rasselt der Anker nieder.
Die Maschinen machen Feuer aus, die Kohlen sind zu Ende, kaum können wir noch einige Tage aus Seewasser Trinkwasser kondensieren.
Da wir doch nicht fahren können, werden die Maschinen auseinandergenommen, um sie gründlich zu überholen, und so liegen wir denn bewegungslos!
Sein oder Nichtsein hängt von dem Eintreffen der Somali ab. Und dieses Eintreffen ist zweifelhaft! — Was dann, wenn sie nicht kommt? —
An Land gehen und das Schiff sprengen? — — Unmöglich!
Bis zu den nächsten Europäeransiedelungen ist es sowohl nach Norden wie nach Süden über tausend Kilometer weit.
Noch keiner Dampferbesatzung, die hier Schiffbruch gelitten, ist dies geglückt, keine hat man je wieder gesehen.
Und wie vielen schon ist das Kap Ras Hafun zum Verhängnis geworden!