Sämtliche Hafenstädte sollten angelaufen werden! Vor Tanga, in der Mansabucht, vor Bagamojo lag der graue Kreuzer, immer umgeben von einer Menge großer und kleiner Boote, Einbäumen und Dhaus, voll von neugierigen Kindern des Landes. —
Ende Juli ballten sich schwarze Gewitterwolken — eifrig arbeiteten die Kabel!
Dann schwiegen sie — — sie waren in englischer Hand.
Da verließ der Kreuzer seinen Hafen, — in der letzten Julinacht verschwand für ihn am Horizont der dunkle Streifen der ostafrikanischen Küste.
I. IM INDISCHEN OZEAN
Kap Guardafui
Zehn Uhr nachts — man könnte meinen mittags — so hell strahlt die runde Scheibe des Vollmondes über dem rauschenden Indischen Ozean. Er rauscht wie ein Fluß, dessen Lauf durch mächtige Felsblöcke gehemmt wird und sich nun in weißschäumendem Gischt rasend durch sein eingeengtes Bett zwängt. Von Süden, Südwesten kommend, peitscht ihn der Monsun mit elementarer Wucht und kämmt den im Mondlicht glitzernden Seen die schäumenden Köpfe, so daß die langen Spritzer weithin flatternden weißen Greisenhaaren gleichen.
In lang ausholenden gleichmäßigen Schwingungen rollt der kleine Kreuzer »Königsberg« von Backbord nach Steuerbord, Steuerbord nach Backbord, tief mit dem Bug eintauchend oder ihn hoch über den Horizont hebend. Seine Masten beschreiben lang hingezogene Ellipsen an dem strahlenden hellen Tropenhimmel, Kurven, deren Linien sich manchmal in wunderlichen Winkeln schneiden und verflechten, wenn der schlanke graue Leib schräg in ein Wellental taucht und der Flaggenknopf des Großmastes sich nach vorn zu verschieben scheint.
Die von achtern auflaufenden Seen rollen mit dumpfem Rauschen unter dem Heck durch und wischen dann brausend die grauen Flanken entlang. Pfeifend und stöhnend singt die Takelage ihr eintöniges Lied, das im An- und Abschwellen der Monsun ihr entlockt.