Die Abendsonne wirft schräge Schatten auf das Grün, gibt ihm allmählich eine hellgelbe Färbung und weckt den Tippu-tipp, Afrikas Kuckuck, der mit seinen eine ganze Oktave durchflötenden Tönen über die leise glucksenden und rauschenden Wasser hinklagt. Er kann kaum fliegen — ab und zu sieht man den braunen, plumpen Vogelkörper wie ein Huhn von Ast zu Ast flattern.
Man kann es nicht fassen, daß diese heilige Urwaldstille eben noch von dem Dröhnen der raffinierten Vernichtungsmittel des höchstentwickelten Wesens in dieser Welt, des Menschen, erfüllt worden ist.
Wie oft habe ich da draußen empfunden, wie lächerlich winzig und bedeutungslos das Kampfgetümmel menschlicher Zwergwesen und ihrer kleinlichen Leidenschaften ist neben der ruhigen Größe dieser mächtigen Natur — ja ein Gefühl der Beschämung wollte mich übermannen, wenn ich bedachte, daß ich eben noch mit allen Fasern, mit allen Kräften des Denkens am Kampfe teilgenommen hatte. — —
Was sind um irgend welche Vorteile, und sei es selbst um die Existenz kämpfende Atome gegen diese schweigende, ursprüngliche Unendlichkeit? —
Die Palmen von Salale tauchen auf, die bereits nur mehr als dunkle, verästelte Silhouetten sich gegen den rasch verblassenden Himmel abheben.
Wir legen an, um den Beobachtungsposten mitzunehmen. Vor uns liegen die dunklen Umrisse einer alten, einst seebefahrenen Dhau, rechts davon eine halbverfallene Grashütte.
Die Leute steigen an Bord. Aufgeregt erzählen sie, daß tatsächlich die »Königsberg« beschossen und schwer beschädigt worden sein müsse, da alle Granaten unmittelbar bei dem Schiff eingeschlagen seien. Kreuzer anderer Art, als die bisher gemeldeten, hätten sie nicht gesehen.
Also ist das Wie dieser Beschießung noch immer ein ungelöstes Rätsel. —
Es ist mittlerweile fast vollkommen Nacht geworden. Wir folgen dem breiten, hellen Rand des Saningaarmes, dessen Ufer man nicht mehr erkennen kann, da die tiefdunklen Schatten der Mangroven sich mit ihrem tintenschwarzen Spiegelbilde im Wasser zu einem unsicheren, breiten, dunklen Streifen vereinigen. —