Wir wechseln die Schärpe. — »Angenehme Ruhe!«
Ich stehe allein am Fallreep.
Abgelöste Wachen und Posten melden sich — ein kurzes Getrappel, dann liegt wieder tiefste Stille über den Decks.
Leise murmelt der Rufiji am Fallreep. Er fließt ab — ist schon sehr stark gefallen. Weiß leuchtend hebt sich dicht neben dem Bug eine helle Sandbank ab.
Nachtschwarz, geisterhaft mit Schatten und Spiegelbild verwoben, säumen die Mangrovenwälder den hier schon ziemlich engen Fluß.
Ich beuge mich über die Reeling und lausche den Stimmen der Wildnis dort drüben.
Ganz vorn, dort wo der Fluß in weißlich silbernen Nebeln zerfließt, dröhnt das Schnauben und Brüllen von Flußpferden, die die sternhelle Nacht benützen, das Wasser zu verlassen, trampelnd und stampfend querfeldein zu ziehen und Nahrung im dichten Schilf zu suchen.
Die Luft erzittert oft von dem gewaltigen Brüllen, das weitaus stärker als die Stimmen aller Tiere, selbst des Löwen, über die schweigende Mangrovenlandschaft hallt.
Prusten, Schnauben und ein Platschen folgt, wie wenn morsche Urwaldriesen zusammenbrechend ins Wasser stürzen.
Angespannt lausche ich dem Treiben der Tiere, die da vorne ihr Wesen treiben. Weit kann es nicht sein, aber ich kann keines sehen. Hier in dieser verlassenen Urwaldabgeschiedenheit, die selten von Europäern betreten wird, freuen sie sich noch vollkommen ungestört ihres Daseins. In vielen anderen afrikanischen Flüssen sind sie schon fast ausgestorben, im Rufiji aber habe ich noch Herden von 50 und mehr Stück aus nächster Nähe gezählt.