Weiß wallen die Nebel dort vorn.
Das Brüllen und Prusten hört plötzlich auf — anscheinend haben die Tiere den Fluß verlassen.
Ein paar Minuten herrscht tiefste Stille, die nur von den Traumlauten eines schlafenden Regenpfeifers unterbrochen wird. Da jaulen plötzlich dicht an Land zwei Hyänen auf. Eine heller, die andere mit tiefer Stimme. In weitem Bogen umschleichen sie die wenigen hohen Bäume, die dort in schwarzer Gruppe beisammen stehen. Wunderlich klingt ihre heisere Stimme in dem tiefen Schweigen der majestätischen Flußlandschaft.
Fast eine halbe Stunde lang stehe ich lauschend an die Reeling gelehnt. — Gleichmäßig hallt über Deck der feste Schritt des Bootsmannsmaaten der Wache. Stumpfsinnig und verschlafen steht der »Läufer Deck«, ein junger Bursche aus dem Bayerland, in einer Ecke und träumt, auf einen Lukendeckel gestützt, wohl von seiner fernen Heimat, aus der schon lange keine Nachricht mehr eintrifft.
Langsam gehe ich nach vorn. Hier liegt im schwarzen Schlagschatten der hohen Bordwände eine alte arabische Dhau. Ihr abgebrochener Maststumpf ragt kaum einen halben Meter über Deck. Sie ist voll von rötlichen Mangrovenscheiten, die Stück für Stück durch die faulen Hände dreier verschlafener Schwarzer an Bord wandern und von dort ihren Weg in die Kesselräume nehmen. Unangenehm störend klingt ihr Poltern über Deck.
Auf Bug und Heck der Dhau liegt zu schwarzen Klumpen geballt die Ablösung, meist kräftige, sehnige Neger aus dem Warufijistamm, deren gleichmäßig tiefe Schnarchtöne die Luft durchsägen. Ab und zu schlägt einer mit der flachen Hand auf die Haut. Irgendein Moskito, der die unendliche Langmut, Gleichgültigkeit und Dickfelligkeit des Schwarzen überschätzt und sich allzulange mit rotem Blut vollgesogen hat, muß sein Leben lassen und klebt nun als roter Blutfleck an der Stelle seiner Gier.
Aber keiner der Mohren läßt sich dadurch stören, gleichmäßig schnarchen sie weiter um die Wette mit dem Summen der Moskitoschwärme.
Anders vorn auf der Back! Ich steige die Steuerbordtreppe empor. Mann an Mann liegen dort unsere Leute halb nackt an Deck, mit offenen Augen mich anstarrend. Sie können nicht schlafen! Unter Deck ist die Hitze zu groß, hängen sie doch dort, einer dicht am andern, in ihren Hängematten. So gehen sie eben nach oben, um dort die Kühle der Nachtluft zu atmen, wohl wissend, daß der Schlaf sie fliehen wird — denn überall singen Moskitos!
Unwillkürlich knöpfe ich meine Lederhandschuhe fester zu und qualme stärker aus der Pfeife. Von allen Seiten ertönt Stöhnen, Murmeln, halblautes Fluchen, das Klatschen von Händen auf nackten Fleischteilen.
Dort richtet sich einer wütend halb auf, hier stampft einer mit den Beinen, wälzt sich an Deck.