[301] Vide unseren Aufsatz: „Zur Kenntniss der Befunde nach Cyankaliumvergiftung.“ Wiener med. Wochenschr. 1876, Nr. 45 und 46. Als eine angeblich neue Methode zur Entdeckung von Blutspuren empfiehlt Cazeneuve (Compt. rendus. 5. März 1877) den gleichen Vorgang mit Ammoniak.
[302] Tamassia erwärmt die Substanz über Wasserdampf, unter Zusatz einer 3procentigen Kochsalzlösung, bedeckt mit einem Deckgläschen, und gibt dann durch 15–20 Minuten Eisessig hinzu, wobei er den Zutritt des Wasserdampfes vermindert. Dann wird das Object dem Verdampfen überlassen. Mit diesem Verfahren konnte, auch wenn Seife, Fett oder Fäulniss eingewirkt hatten, ein positives Resultat erhalten werden. Neuere Mittheilungen über den Einfluss von Rost und organischen Säuren siehe Virchow’s Jahrb. 1890, I, 488 und in der oben citirten Arbeit von Hammerl.
[303] „Die Grenzen der Beweiskraft des Hämatinspectrums und der Häminkrystalle für die Anwesenheit von Blut. Ein Beitrag zur Verhütung von Justizmorden.“ 1892.
[304] Ueber die Untersuchung eines Fetzens mit besonderer Rücksicht auf die Frage, ob die daran klebenden Haare von einem neugeborenen Kinde herstammen, hat Gallard berichtet (Annal. d’hygiène publ. 1879, 371). Neuestens behauptet Jaumes (De la distinction entre les poils de l’homme et les poils des animaux. Montpellier méd. April 1882, etc.), dass er ausnahmsweise die Kopfhaare der Neugeborenen markhältig gefunden habe.
[305] Vide unseren Aufsatz: „Ueber Haare in gerichtsärztlicher Beziehung.“ Prager Vierteljahrschr. CXII, 67.
[306] Bezüglich der Farbe muss bemerkt werden, dass Farbendifferenzen verhältnissmässig leicht zu constatiren sind, wenn ganze Haarbüschel vorliegen, schwer an einzelnen Haaren, am schwierigsten aber durch die mikroskopische Untersuchung, weil die Farbe desto weniger gesättigt erscheint, mit je stärkeren Vergrösserungen man untersucht. Mitunter trifft man, wie auch Jaumes ausführt, Menschen, die ganz anomale Haare besitzen, so z. B. scheckige oder knotige, von welchen letzteren wir ein Beispiel in unserer Sammlung besitzen. In solchen Fällen wäre die Constatirung, dass die gefundenen Haare von einem bestimmten Individuum herrühren, wesentlich leichter, anderseits könnten aber eben die ungewöhnlichen Eigenthümlichkeiten der Haare, wenn letztere allein vorliegen, die Meinung erwecken, dass es sich um Thierhaare handle.
[307] Auch an falsche und künstliche Haare wäre in solchen Fällen zu denken. Letztere sind gegenwärtig stark verbreitet und bestehen meist aus Angorawolle (den Haaren der Angoraziege), die unter dem Mikroskop sofort als solche erkannt werden kann.
[308] Als Beweis, wie umschriebene Läsionen des Gehirnes vertragen werden können, möge der Geisteskranke dienen, über welchen Carpenter berichtet (Virchow’s Jahresber. 1876, II, 71), der auf folgende Arten versuchte, sich das Leben zu nehmen. 1. Er bohrte oberhalb des rechten Ohres einen dicken Draht durch den Schädel 4¾ Zoll in das Gehirn hinein. 2. Er stiess sich einen Pfriem in den Scheitel. Beides ohne üble Folgen. 3. Durch die sub 1 gemachte Oeffnung bohrte er wieder einen Draht bis zur gegenüberliegenden Seite des Schädels, worauf eine linksseitige Hemiplegie erfolgte, die nach 14 Tagen verschwand. Endlich (nach mehreren Monaten) vergiftete er sich mit Morphium. Bei der Section fand man erstens im mittleren Lappen der rechten Hemisphäre neben einander horizontal liegend ein 2 Zoll langes Stück Draht und eine eingefädelte Nadel, zweitens im Vorderlappen vertical gestellt ein 2½ Zoll langes Stück Draht und daneben einen langen Nagel ohne Kopf.
[309] Auch durch wiederholte rasch aufeinanderfolgende Erschütterungen des Kopfes können ähnlich wie bei den Koch-Filehne’schen „Verhämmerungsversuchen“ die Symptome der Hirnerschütterung hervorgerufen werden. Seydel („Ueber Kopftraumen mit tödtlichem Erfolge ohne makroskopische Veränderungen“, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, VII, S. 75) hat einen solchen wahrscheinlich in diese Kategorie gehörigen Fall begutachtet, der einen halbidiotischen Knaben betraf, der nach wiederholten rasch aufeinanderfolgenden Schlägen auf den Kopf bewusstlos wurde und nach etwa 6 Stunden comatös starb, ohne dass makroskopische Veränderungen am Gehirn gefunden werden konnten.
[310] Ausser in früheren Arbeiten auch in Friedreich’s Blätter. 1885, pag. 81: „Ueber die gerichtlich-medicinische Bedeutung verschiedener Knochenbruchformen.“ Weitere einschlägige Versuche wurden von Wahl und Greiffenhagen (Inaug.-Dissert. Dorpat 1887), sowie von Körber (Deutsche Zeitschr. f. Chir. 1889, XXIX, pag. 545) und dessen Schüler v. Knorre („Casuistische Studien über Schädelfracturen.“ Mit 4 Tafeln. Dorpater Dissertation 1890) angestellt. S. auch Flatten, „Ueber einige bemerkenswerthe Brüche der Schädelbasis“. Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1892, IV. Suppl., pag. 29.