Schalem Alechem.

– ELSASS. –

Der Dalles. – Kindesliebe. – Passahfest. – Der Prophet Elias.

Nicht alle Menschen tragen Schuld an ihrem Schicksal. Es gibt brave, fleissige Leute, die alles aufbieten, um dem Unglück, das sie verfolgt, die Spitze zu bieten und dennoch scheitern.

Bei solchen Leuten hat sich der »Dalles« eingerichtet. Ein böser Geist, das Elend in Person. Je grösser das Ungemach, das die Armen zu erdulden haben, je grösser die Noth, um so wohler befindet sich der Dalles. Er mästet sich, während alle um ihn abmagern.

Ein solcher Dalles schien auch bei Mutter Jette Goldenblum eingekehrt. Sie war als eine treffliche Frau bekannt in dem elsässischen Städtchen, und vordem war ihr kleiner Kramladen eine ausgiebige Einnahmsquelle für sie gewesen, aber sie hatte Unglück seit einiger Zeit, und ihr kleines Haus war jetzt vollständig verschuldet. Ihr Vater, Beer Taubes, war zu gut gewesen, er hatte allen seinen Verwandten, seinen Freunden geholfen, hatte sein kleines Vermögen auf diese Weise verzettelt und jetzt dachte Niemand daran, ihm zu helfen und er war froh, einen alten Lehnstuhl bei seiner Tochter zu haben und ein Gedeck an ihrem Tische.

Jette's Sohn, der begabte, arbeitsame Fritz, wurde in gleicher Weise vom Dalles verfolgt. Trat er in ein Geschäft ein, so machte sein Herr bald bankerott oder die Tochter verliebte sich in ihn und er musste fort, weil er seiner Braut, der hübschen, verständigen Sarah Meier, nicht die Treue brechen wollte.

Wieder war er einmal zu Hause bei seiner Mutter, ohne Arbeit, ohne Verdienst, und alle zusammen liessen einige Zeit geduldig Armuth, Kummer, Entbehrung über sich ergehen.