Nun trat der Rabbiner an den Todten heran und sprach: »Wir gedenken, Gott, vor Dir, des geschiedenen Menachem Ben Joseph und beten für das Heil seiner Seele. Nimm ihn auf, lass' seine Seele einziehen zur ewigen Ruhe, zur ewigen Freude, zur ewigen Seligkeit, lass' ihn theilhaftig werden der Segnungen, die Du den Frommen und Gerechten verheissen hast, als Lohn für alles irdische Leid, für all' ihre Sorgen, ihr Ringen und Mühen dahier. Der Allerbarmende vergibt. Ja, Menachem, Du bist schon im Lichte und wir sind noch in der Finsterniss. Du bist in der Wahrheit und wir sind noch im Irrthum, Du bist im Frieden und wir im Kampfe und in der Zerstörung.
Gib uns, o Gott, dass auch wir den Kampf zu Ende kämpfen und in Frieden eingehen in Dein Reich.
Gesegnet sei das Angedenken des Gerechten. Amen.«
Langsam wurde der Todte in das Grab gesenkt, sitzend das Antlitz gegen Sonnenaufgang.
Dann fielen die Schollen hinab in die Tiefe, und die Menge verliess ernst und schweigend den Friedhof. Ein Jeder riss, ehe er heraustrat, eine Handvoll Gras aus, warf es hinter sich ohne umzublicken und sprach: »Gedenke, dass Du Staub bist!«
Zuletzt war Niemand da, als der Todtengräber und der Knabe. Als der Hügel aufgeworfen war, legte das Kind einen grossen Strauss aus Blumen, die er auf dem Friedhof gepflückt, auf denselben. »Schlafe sanft, Vater Menachem!« sprach er. Dann ging er hinaus in das Licht, wo die Aehren wogten, und die Meereswellen rauschten.