»Schalem Alechem!« (Der Friede sei mit Euch!) sprach der Mann, den sie alle für einen Fremden hielten.
»Alechem Schalem!« (Der Friede sei auch mit Dir!) antworteten die anderen, zugleich riefen aber auch schon die Kinder: »Frau Goldenblum, kennen Sie denn Ihren Fritz nicht?«
Ja, es war Fritz, in grossen Juchtenstiefeln und mit einem langen Bart, und jetzt hatte die Freude keine Grenzen. Nachdem ihn alle sattsam angesehen und umarmt, gingen sie zur Synagoge, und als der Gottesdienst beendet war, auf dem Wege nach Hause, begann Fritz von seinem Schicksal zu erzählen.
Der Dalles war wirklich daheim geblieben, Fritz hatte Glück gehabt in Amerika, hatte viel verdient, viel erspart, ein Geschäft begründet und wieder vortheilhaft verkauft und kam zurück mit mehr als dreissigtausend Franken in seinem Tornister.
Sein erster Gang war zu German Kugel gewesen. Ihm das vorgeschossene Reisegeld zurückzuerstatten, schien ihm die vornehmste Pflicht, dann erst war er zu seiner Mutter, seiner Braut geeilt.
Die Sterne waren indess am Himmel heraufgezogen und ganz Israel ging an die Feier des ersten Passahabends, des Seder.
Grossvater Taubes nahm im grossen Lehnstuhl am Tische Platz, über dem die siebenarmige Lampe brannte, neben ihm Mutter Jette und Sarah, ihm gegenüber Fritz. Vor jedem lag auf dem weissen Tischtuch die Haggada, das hebräische Buch der Gebete und Gesänge für diesen Abend.