Da Schalom ein seelensguter Mensch, da er der Sklave seiner Frau, der Diener seiner Tochter und der gute Kamerad seines Sohnes war, so fügten sich alle, aber es gab stets verdriessliche Gesichter, denn Edith entsagte mit schwerem Herzen dem Sattel, Noëmi vergoss jedesmal Thränen, wenn ein Habicht ihr ein Täubchen entführte und sie ihre kleine Flinte nicht von der Wand nehmen durfte, und Juda war noch stiller und ernster als sonst vor seinen Büchern, seitdem der Kahn nicht von der Kette gelöst werden durfte.
Als Schalom eines Tages in die Stadt ging, um seine Geschäfte zu besorgen, athmeten alle befreit auf. Frau Edith liess ihren Rappen satteln, und Noëmi lud ihre Flinte. Juda liess zwar den Kahn an der Kette, aber Nachmittags bestieg er gleichfalls ein Pferd und ritt davon.
Als Schalom Abends heimkehrte, sass Edith bereits wieder in ihrem Salon, und Noëmi stöberte in der Bibliothek umher, aber Juda war noch nicht zurück.
Schalom ging an den Ort, wo der Kahn lag, dann in den Stall und zählte die Pferde. Als er in den Salon zurück kam, war er bleich und ging aufgeregt auf und ab.
»Wo ist Juda?« fragte er endlich.
»Nicht weit«, erwiderte Noëmi, »er muss jeden Augenblick kommen.«
»Muss!« rief Schalom, »wenn er aber nicht kommt?«
»Juda ist doch kein Kind,« bemerkte Edith, »wenn ich ruhig bin, brauchst Du doch auch keine Angst zu haben.«