Der Todesengel.
– ITALIEN. –
Der Schnorrer. – Galoth. – Jüdische Askese.
Es war in einer frostigen Dezembernacht. Der Winter hatte die Appeninen in schimmernde Eiswälle verwandelt und alle Thäler mit Schnee gefüllt. Ein eisiger Wind blies durch die Wipfel der Bäume und schüttelte die Eiszapfen gleich tausend klingender Schellen. Das Heer der Sterne bedeckte den weiten Himmel. Weisse Gestalten standen am Wege, geheimnissvoll, gespensterhaft. Und ringsum war die Stille des Todes.
Trotzdem wanderte ein Mann durch diese wilde Gegend, durch diese Nacht voll Schrecken. In ein härenes Gewand gehüllt, barhaupt, auf einen Stock gestützt, schleppte sich Zeruja Nebusch nur noch mit Mühe vorwärts; aber er fürchtete weder Frost, noch Ermattung, noch die Lawinen, die von den Bergen stürzten, noch die Abgründe, die sich von Zeit zu Zeit am Rande seines Weges öffneten. Er befand sich auf jener grauenhaften Wanderung, die der Jude Galoth nennt und welche den Menschen zum Gefährten des Wolfes und des Raubvogels macht.
Drei Tage und drei Nächte hatte er ununterbrochen gefastet, nicht einmal ein Tropfen Wasser war über seine Lippen gekommen und ebenso lange hatte er unter keinem menschlichen Dache geruht. Noch trugen ihn seine Füsse vorwärts, aber er fühlte, dass seine Kräfte zu Ende waren. Der Frost peinigte seinen erschöpften Körper, der weiche Schnee lud ihn zum Schlafen ein. Er wusste, dass er erfrieren würde, sobald er nur einen Augenblick ruhen wollte, und so ging er vorwärts, obwohl eine Art sanft betäubender Musik in seine Ohren klang und um ihn ein überirdischer Glanz war, wie vor den brechenden Augen eines Sterbenden.
Endlich ertönte Hundegebell und wurde ein Dach sichtbar, aus dem blauer Rauch emporstieg.