»Du kannst nicht fort«, erwiderte Sulamith, »es sind Lawinen herabgestürzt diese Nacht, und die Brücken sind allerorten zerstört.«

Zeruja seufzte.

»Und heute Abend ist Sabbathanfang, Du kannst nicht am Sabbath wandern.«

Der Pilger ergab sich in sein Schicksal. Er liess sich auf einen Schemel bei dem grossen Kamin nieder, in dem ein riesiger Holzblock verglühte und starrte in die Flammen. Sulamith füllte aus einer dicken Flasche eine röthliche Flüssigkeit in ein kleines Glas und reichte es dem Pilger.

»Was soll ich damit?« fragte er.

»Trinken – es ist Arznei.«

»Wer zu Gott nach rechter Art zu beten versteht, der bedarf weder des Arztes noch der Arznei«, sagte der polnische Schnorrer.

»Wenn Gott wollte, dass Du zu Grunde gehst«, entgegnete das Mädchen, »so hätte er Dich in dieser Nacht verderben lassen. Er hat Dich aber unter unser Dach geführt, damit wir Dich retten. Hier nimm.« Sie sah ihn an und vielleicht war es mehr ihr dunkles Auge, geheimnissvoll, wie die Kabbalah, das ihn zwang, als dass ihre Worte ihn überredeten. Er nahm das Glas und leerte es.

»Und nun sollst Du essen.«

»Heute Abend, zum Sabbath, ja.«