»Ich verstehe Dich nicht.«
»Er hat mich unter dieses Dach geführt, um mich für meinen Uebereifer zu strafen.«
»Welche Einbildungen!« sprach Sulamith. »Du bist bei guten Menschen, die Dich retten wollen.«
»Dich, Sulamith, hat der Herr ausersehen, mich zu züchtigen«, fuhr der Schnorrer fort, »Du bedarfst keiner Ketten um mich zu fesseln, und Du geisselst mich, ohne die Geissel zu schwingen. Quäle mich, reiss' mir das Herz aus dem Leibe, Gottes Wille geschehe!«
Sulamith lächelte. »Es ist eine Fügung«, sprach sie, »aber eine glückliche. Nicht zu Deiner Qual hat mich Gott erschaffen, sondern zu Deiner Freude.«
Zeruja warf sich nochmals vor ihr nieder und presste seine Lippen auf ihren Fuss.
»Du liebst mich«, fuhr Sulamith fort, indem sie, die schönen Augen voll Thränen, auf ihn herabblickte, »auch mein Herz gehört Dir, es hat Dir vom ersten Augenblick an gehört, als ich Dich erstarrt und halb verschmachtet in jener Nacht in der Scheune fand. Steh' auf!«
Zeruja regte sich nicht, da neigte sie sich leise zu ihm herab, hob ihn auf und schloss seinen Kopf mit den wirren blonden Locken sanft an ihre Brust.