»So soll es nicht Zobel sein, aber Du sollst haben einen Pelz.«
»Wozu? bedenke doch.«
»So soll es nur eine Jacke sein, gefüttert mit Pelz, dass Du nicht mehr frierst.«
Laktef Wilna hörte alles und lachte heimlich in sein gutes, mitleidiges Herz hinein, und wieder eilten die Stelzen hin und her, und Haman's grosse Nase blickte in alle Fenster und sein Arm langte hinein, wo es nur anging und bemächtigte sich der Sachen, die der Prophet Elias nöthig hatte. Vor dem Laden des Trödlers Winkelfeld hingen ein paar rothe Hausstiefel, die er von einem Edelmann erhandelt, Haman nahm sie, ohne viel zu fragen, mit. Bei dem reichen Sprintze Veigelstock entlehnte er einen schwarzen Atlaskaftan, bei den Töchtern des Freudenthal ein Paar neue Schuhe und ein Kleid. Aber die Pelzjacke? Richtig, bei Frau Zuckerspitz waren die maskirten jungen Leute eingedrungen und sie tranken jetzt Tscha und tanzten, und die schöne, kokette Frau hatte ihre mit Zobelpelz ausgeschlagene und gefütterte Kazabaika abgeworfen, und da das Fenster nur zugelehnt war, öffnete es Laktef Wilna leise und nahm die Kazabaika vom Stuhl.
Mehrere Minuten später klopfte es an Esther's Fenster.
»Das ist er«, flüsterte Tobia, »thu' ihm auf.«
Esther öffnete das Fenster und lief dann hinter den Ofen und schloss die Augen. Als sie dieselben wieder öffnete, lagen der Kaftan da und die Kazabaika, das Kleid und die Schuhe und Stiefel. »Tate«, rief sie, »er hat uns gebracht alles, was wir haben erbeten.« Sie schloss das Fenster und zog dem blinden Vater die warmen Stiefel an und den seidenen Kaftan und zog selbst die Schuhe an und das Kleid und schlüpfte in die prächtige Kazabaika der Frau Zuckerspitz.
»Was für ein Glück!« rief der Blinde, »gewiss stehst Du jetzt da, Esterka, wie eine Prinzessin. Komm' doch zu mir.« Und da er sie nicht sehen konnte, so strich er mit der zitternden Hand, sie zitterte jetzt vor Freude, über den Sammt der Kazabaika und das schwellende Pelzwerk. »Das ist Zobel, mein Kind«, sprach er fast erschreckt, »der gute Prophet Elias hat mich gehört und hat Dir gebracht zum Schuschan-Purim eine Jacke mit Zobelpelz. Siehst Du, wie uns Gott liebt? Und da der Prophet Elias uns hat geschenkt so viel, soll er auch bringen meinem Kinde einen braven, schönen und jungen Mann.«